Mama ich kann das schon alleine

Kind kann Schuhe alleine anziehen
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Minimi ist jetzt 3 Jahre alt. Dieses Alter zeichnet sich besonders dadurch aus, dass sie alles alleine machen möchte. Also das will sie schon länger. Anziehen, Essen, Duschen, Spielen, einfach alles. Und natürlich kommentiert sie jeden Wunsch, jede Bewegung und jeden Schritt durch „Mama, ich kann das schon alleine!“

Mein Kind will Dinge plötzlich alleine machen

Plötzlich hat Mama, bekennende Anti-Helikopterin, das Gefühl, ein wenig „außen vor“ zu sein. Ich bin gerne Mutter und ich unterstütze mein Kind auch gerne, wenn sie meine Hilfe braucht. Ich begleite sie gerne auf ihrem Weg und schaue gerne zu, wie sie mit neuen Herausforderungen umgeht, wie sie sich ihnen stellt und es manchmal schafft, sie zu meistern und in anderen Situationen an ihnen scheitert und frustriert ist. Wie sie sich mit dem komplizierten Reißverschluss der Jacke plagt, versucht die Schuhe zu binden oder den Knopf an ihrer Weste zu schließen. Ich weiß, ich kann es nicht aufhalten, dass sie groß wird, selbständig wird und immer weniger auf mich angewiesen ist. Ich möchte es auch nicht aufhalten. Es ist gut, dass mein Kind Sachen nun schon alleine meistern kann, ohne Mama.  Doch ein wenig nachdenklich und sentimental stimmt es mich schon.

Als mein Kind Dinge noch nicht alleine machen konnte

Wenn ich zurückdenke an ihre Babyzeit, dann habe ich mir so oft gewünscht, dass

  • sie endlich alleine einschläft,
  • oder mehr als 2 Stunden am Stück schläft,mutter verzweifelt
  • ich sie alleine essen lassen kann,
  • die Kleine sich selbst fortbewegen kann,
  • mein Kind sich endlich alleine anzieht,
  • mein Kind keinen Kinderwagen oder kein Tragetuch mehr braucht,
  • und sie unterm Strich ohne meine Hilfe auskommt.

Die erste Zeit mit Baby…

Es hat mich genervt, dass ich jeden Abend fast zwei Stunden mit ihr im Bett lag, bis ich mich aus dem Zimmer schleichen konnte, um noch ein paar Minuten bis zur nächsten Stillmahlzeit für mich zu haben. Auch war es anstrengend, sie den ganzen Tag im Tragetuch mit mir mitzuschleppen. Ebenso war es herausfordernd, ihre Bedürfnisse in einen Alltag mit zwei großen Kindern zu integrieren und dennoch allen gerecht zu werden. Ich fühlte mich oft überfordert, hin- und hergerissen und genervt. Wie einfach wäre es wohl, wenn sie schon das ein oder andere alleine könnte? Ja, es ist einfacher, es ist praktisch und es tut gut, diesen Entwicklungsschritt nun zu erleben. Aber es fällt mir auch schwer, mich von dieser intensiven Zeit, in der ich sie so viel um mich hatte, sie nahe bei mir war, wir eng verbunden waren, sie immer wieder meinen Rückhalt suchte und ihre Hand in meine schmiegte, zu trennen.

Die Zeit mit unseren Kindern genießen

Jetzt, wo es soweit ist und ich merke, wie sie immer öfters die Nachmittage lieber spielend mit ihren Schwestern verbringt als mit mir, wie sie sich anderen Aktivitäten den Vorrang gibt, wie sie mir immer öfters zu verstehen gibt, dass sie schon groß ist und es alleine kann, werde ich wehmütig. Es erinnert mich immer wieder daran, dass wir als Eltern immer aufgefordert sind die Zeit mit unseren Kindern anzunehmen und zu genießen, denn sie ist endlich. Die intensive Zeit, in der uns unsere Kinder fast rund um die Uhr brauchen, vergeht und kommt nicht mehr zurück.

kind frustriert
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Es fällt mir nicht leicht, sie loszulassen bzw. Selbständigkeit zuzulassen. Zu vertrauen, dass sie den alltäglichen Herausforderungen gewachsen ist und es schafft, mit Frust umzugehen. Wenn ich meine Tochter zu einem kompetenten Erwachsenen heranwachsen lassen möchte, dann muss ich damit aufhören, ihr alles abzunehmen und den Dingen einfach ihren Lauf lassen. Sie weiß, dass sie immer wieder zu mir zurückkommen kann, wenn der Reißverschluss dann doch klemmt.

 

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