Hilfe, ich habe ein Lipödem!

Lipödem
Lipödem

Ich habe ein Lipödem!

Kohlsuppendiät, Dukan-Diät, Brigitte-Diät, 50/50 -Diät… Es gibt kaum eine Diät, die ich nicht probiert habe. Fitnessstudio, Radfahren, Schwimmen, alles gemacht. Wo nehme ich ab? Im Gesicht, am Oberkörper, Bauch – aber nur nicht dort, wo ich es will. Meine Beine und Oberarme bleiben stur bestehen. Nichts bewegt sich dort. Aber genau da will ich das sich was tut.

„Iss weniger!“- Der sich ständig Wiederholende Tipp

So als ob ich es selber nicht wusste. Irgendwann wird man frustriert. Beginnt an sich selbst zu zweifeln. „Ich habe wirklich kein Durchhaltevermögen!“, „Ich bin selber schuld, wenn ich so schwach bin!“, „Geschieht mir recht!“. Was manche Frauen lieben, hasse ich. Das Shoppen. Es macht mich noch verzweifelter. Finde etwas Schönes, das es passt und das du dich auch selbst darin schön findest. Der blanke Horror ist es für mich, wenn ich mir Hosen kaufen muss. Passt es mal an den Oberschenkeln, ist es viel zu locker an der Hüfte. Die Hose rutscht runter und der Gürtel macht die Sache auch nicht besser. Im Winter schöne Stiefel tragen zu können? Ein Wunsch! Also dann die täglichen Schmerzen in den Beinen kamen, die unerklärlichen Blutergüsse, wusste ich insgeheim „Das stimmt was nicht!“ Den Weg zum Hausarzt habe ich mir erspart. Ich wusste welche Aussage kommen würde.

Per Zufall das Lipödem entdeckt…

Eines Tages sah ich auf Instagram einen Beitrag. Eine schöne Frau, wunderschönes Lächeln, wunderschöner Körper. Ich las ihre Beschreibung unter dem Bild. Sie spricht von Lipödem. Von ihrem Problem mit ihren Beinen, die Schmerzen und die, obwohl sie viel Trainiert, nicht die Form bekommen, die sie haben will. Sofort bei Mr. Google nachgefragt. „Was ist ein Lipödem?“ Je mehr ich las, umso mehr fand ich mich in dem Beschriebenen. Je mehr Bilder ich mir anschaute, umso öfters fand ich „meine“ Beine. Lipödem, Stadium 2. Das saß. Wie es der Zufall will, meldet sich meine Cousine aus Schweden bei mir. Sie hat schmerzen, ihre Beine genau wie meine. Ich erzählte ihr auf was ich gestoßen bin. Nachdem unsere Vermutungen bestätigt wurden waren wir beide schockiert, aber auch erleichtert. „Wir können nichts dafür! Wir sind nicht verfressen! Es sind die GENE!“ Wieder Tränen, dieses Mal-, trotz der Diagnose, wegen der Erleichterung.

Was ist ein Lipödem?

Das Lipödem ist eine erblich bedingte Erkrankung. Erkennbar an überproportionalen Fettgewebe an den Beinen und Oberarmen. Es ist eine chronische und fortschreitende Erkrankung. Beginnt meistens während einer hormonellen Veränderung wie der Pubertät, einer Schwangerschaft oder mit Beginn der Wechseljahre. Lipödeme treten symmetrisch auf. Dabei kommt es zu Veränderungen und Deformierungen der Beine, an Hintern und Hüften. Bekannt als „die Reiterhosen“. Die Diagnose wird anhand der klinischen Symptome gestellt und durch die Behandlung sollen Symptome gelindert und Komplikationen verhindert werden.

Welche Ursachen hat ein Lipödem?

Die Ursache ist nicht restlos geklärt. An Lipödem leiden fast ausschließlich Frauen, daher werden hormonelle Veränderungen als Auslöser vermutet. Genetische Faktoren spielen auch eine Rolle. In 60% der Fälle ist eine Häufung der Erkrankung innerhalb der Familie erkennbar. Übergewicht, wie viele Patienten glauben, ist nicht die Ursache für die Entstehung von Lipödem. Wirkt sich aber negativ auf den weiteren Verlauf aus.

Wie entsteht es?

Die Fettgewebeansammlungen an Armen und/oder Beinen entstehen durch die Vermehrung und Vergrößerung von Fettzellen. Das Bindegewebe verändert sich auch. Durch die erhöhte Durchlässigkeit der kleinsten Blutgefäße kann vermehrt Flüssigkeit in das Bindegewebe übertreten. Das intakte Lymphgefäßsystem kann die ausgetretene Flüssigkeit nicht ausreichend abtransportieren, es kommt zur Bildung von Ödemen. Das sorgt auch für das häufige Auftreten von Blutergüssen.

Welche Symptome treten auf?

Es tretet immer symmetrisch an beiden Beinen und/oder Armen auf. Typisch ist auch ein deutlicher Unterschied in der Fettverteilung zu dem Oberkörper. Die typischen Veränderungen können am Oberschenkel, Unterschenkel, am ganzen Bein, am Oberarm, Unterarm oder am ganzen Arm auftreten. Ein reiner Befall der Arme ist sehr selten und Füße und Hände sind nie mitbetroffen. Bei Fortschreiten der Erkrankung kommt es zu Wulstbildungen, die an den Oberschenkelinnenseite oder der Knieinnenseite liegen. Der Scheuereffekt schädigt das Gewebe zusätzlich. Es entstehen in den Hautfalten chronische Entzündungen und Infektionen.

Welche Stadien der Erkrankung gibt es?

  • Stadium I: glatte Hautoberfläche mit gleichmäßig verdickter, homogener Unterhautfettschicht. Die Schwellung bildet sich durch Hochlagern der Beine/Arme zurück.
  • Stadium II: unebene, überwiegend wellige Hautoberfläche, knotenartige Verdickungen im Unterhautfettgewebe. Die Schwellung bildet sich nach Hochlagern der Beine/Arme nicht mehr zurück.
  • Stadium III: starke Umfangvermehrung mit überhängenden Gewebeanteilen, Hautveränderungen und Bewegungseinschränkungen

Wie kann ein Lipödem behandelt werden?

Die Therapie umfasst zwei Ziele: Erstes: Symptome wie Schmerzen und Ödeme sollen gelindert werden. Zweites: Komplikationen wie Hautprobleme, Lymphabflussstörungen oder Bewegungseinschränkungen sollen verhindert werden. Therapie: manuelle Lymphdrainage, Kompressionstherapie, Bewegungstherapie, Hautpflege.

Fettabsaugung (Liposuktion):

Zur dauerhaften Reduktion des krankhaften Unterhautfettgewebes wird die Fettabsaugung eingesetzt. Sie kommt erst zum Einsatz, wenn trotz Entstauungstherapien die Beschwerden bestehen bleiben oder die Erkrankung weiter fortschreitet. Die Liposuktion wird in Vollnarkose durchgeführt. Lokalanästhesie ist auch eine Option. Durch eine Fettabsaugung werden Schmerzen gelindert und das Auftreten von Ödemen und Blutergüssen deutlich reduziert. Dadurch können Folgeerscheinungen wie Hautschäden oder Bewegungseinschränkungen beseitigt werden. Die Besserung der Symptome und die deutlich verbesserte Lebensqualität der Betroffenen bleiben über viele Jahre bestehen. Auch nach einer Liposuktion muss auf den Lebensstil geachtet werden. Gesunde Ernährung und Sport sind das „A und O“ für einen dauerhaften Erfolg.

Wie wirkt es sich auf die Betroffenen aus?

Lebensqualität der Betroffenen ist sehr eingeschränkt. Viele unterschätzen die psychischen Belastungen, die solch eine körperliche Veränderung mit sich bringt. Viele Betroffene brauchen oft psychologische Unterstützung. In den Sozialen Netzwerken gibt es Lipödem Gruppen, in denen sich die Betroffenen über ihre Erfahrungen austauschen.

Quelle zu Lipödem Erklärung: www.netdoktor.at/lipödem

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