Wie du dein hochsensibles Kind im Alltag begleiten kannst

Kind hält sich die Ohren zu
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Kinder zu begleiten ist eine anspruchsvolle Aufgabe, bei der alle Eltern irgendwann an ihre Grenzen stoßen. Der Alltag mit einem hochsensiblen Kind stellt Eltern noch vor ganz andere Herausforderungen, die für das Familienleben belastend sein können. Es gibt für Hochsensibilität keine offizielle Diagnose und die wird auch niemand brauchen, weil alleine das Wissen genügt, das Kind besser zu verstehen. Besonders hochsensible Kinder brauchen eine intensive Begleitung durch ihre Eltern, damit sie sich in ihrer Andersartigkeit nicht wie Sonderlinge fühlen oder als solche behandelt werden. Sie leiden besonders unter dem Druck von außen. Sie sollten in ihrer Andersartigkeit genauso angenommen werden, wie sie sind. Mit diesen Kindern stimmt nicht irgendetwas nicht, sie brauchen nur eine besondere Form der Zuwendung, um ihre Gabe als ein Geschenk zu verstehen.

Das Leben eines hochsensiblen Kindes wird erst dann problematisch, wenn in seiner Familie keine Strategie gefunden wird, mit dieser Besonderheit umzugehen, sondern das Anderssein negativ gewertet wird und ein Anpassungsdruck folgt.

Negative Folgen entstehen dann, wenn das Kind einer verständnislosen Außenwelt begegnet. Dass das sehr schnell geschehen kann ist klar, wenn man sich das gesellschaftliche Wertesystem anschaut. Konkurrenzdenken, Leistungsfähigkeit, Teamgeist, eine Ausrichtung auf logische und sachliche Inhalte stehen für wichtige soziale Fähigkeiten, die Kindern schon im Kleinkindalter vermittelt werden sollen. Hochsensible Kinder, die häufig sehr kreativ und fantasiereich sind, kommen hier zu kurz und fallen aus dem System. Es sind dann jene Kinder, die irgendwie nicht dazu passen. Wird die Fähigkeit und die Gabe eines hochsensiblen Kindes jedoch geschätzt und zugelassen, ist der wichtigste Schritt schon erfolgt und das hochsensible Kind kann sein Potential entfalten.

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Alle Kinder brauchen nicht nur Zuwendung, Anerkennung, Liebe, Geborgenheit und Verständnis, sondern auch noch die 3 R’s:

  • Rituale: Zeitlich festgelegte Abfolgen, die sich wiederholen bieten dem Kind Orientierung und ziehen sich durch den Tag wie ein roter Faden.
  • Regeln: Die Regeln, die aufgestellt werden, unterstützen das familiäre Zusammenleben und erleichtern es auch. Denn auch Regeln bieten hochsensiblen Kindern Orientierung und Halt.
  • Reviere: Damit sind klar abgegrenzte Bereiche, Räume und Umgebungen gemeint, bei denen andere Regeln gelten. Besonders die Abgrenzung ist wichtig, damit das hochsensible Kind mit den anderen Regeln umgehen kann.

Wenn Grenzen und Regeln von einem nicht-hochsensiblen Kind weniger gern gesehen werden, so sind es genau diese Eckpfeiler, die ein hochsensibles Kind braucht:

Sie helfen, sich geborgen und sicher zu fühlen und zu wissen, was passiert, hilft vor Überreizungen.

Hochsensible Kinder haben andere Bedürfnisse als nicht-hochsensible Kinder. Sie brauchen mehr Rückzugsorte, mehr Schlaf, mehr Ruhephasen, mehr Vorbereitung, mehr Struktur. Sie sollten nicht zu Gruppenaktivitäten gezwungen werden, sie brauchen aufmerksame Lehrer, die merken, wodurch die Konzentration in der Schule nachlässt und darauf eingehen.

Es gibt ein paar Dinge, wie Eltern (und auch PädagogInnen) hochsensible Kinder im Alltag unterstützen können:

 

Auf Anzeichen achten: Vorsicht, überreizt!

Mit ein wenig Übung gelingt es Eltern schnell zu erkennen, wann ihr Kind überreizt ist. Anzeichen wie Zittern, Blässe, rote Flecken, Schwindel, aber auch beißen, weinen, schreien, schimpfen, ignorieren, etc. stellen Überreizung dar. Wenn dir diese Zeichen bei deinem Kind auffallen, dann nimm dein Kind zu dir und halte es behutsam fest. Gib ihm Halt, rede nur ein wenig und vor allem langsam, leiser, wiederholend und rhythmisch. Achte darauf, dass du die Arme und Beine deines Kindes fest und langsam drückst. Reibe den Rücken von oben nach unten und rolle dein Kind in eine Jacke oder Decke ein, damit es sich selbst spürt. Der tiefe Druck hemmt ein wenig die Überempfindlichkeit und lässt dein Kind geerdeter und ruhiger werden. Am besten nimmst du dein Kind aus der Situation und suchst nach einem reizarmen Ort. Auch die Natur oder der Wald sind gute Plätze, wo sich dein Kind gut aufgehoben fühlt. Zu Hause biete deinem Kind einen Rückzugsort in Form einer Höhle mit gelben und roten Tüchern, ähnlich der Gebärmutter.

 

Tipps für den Alltag mit hochsensiblen Kindern:

  • Rituale, Nähe und Ruhe-Inseln: Für hochsensible Kinder sind Rituale, Nähe und Ruhe-Inseln besonders wichtig und sollten daher im Alltag immer wieder auftauchen. Ob es in der Früh beim gemeinsamen Frühstück ist, beim Anziehen, beim Verlassen des Hauses, beim Abholen vom Kindergarten, am Abend. Rituale haben überall ihren Platz und geben deinem Kind Sicherheit.
  • Reduzierte Umgebung: Hochsensible Kinder brauchen eine reduzierte Umgebung. Dabei sollten wir uns bewusst sein, dass Kinder heute doch Werbung, Straßenlärm, am Spielplatz durch TV, Smartphone & Co. ständig Reizen ausgesetzt sind. Daher ist es für hochsensible Kinder wichtig, eine klare Ordnung und Struktur zu finden. Also lieber geschlossene Kästen statt offene Regale, Übersichtlichkeit, eine gedeckte Wandfarbe, eine Höhle als Rückzugsort.
  • Weihe deine Umgebung ein: Hochsensibilität ist keine Krankheit und keine Störung. Daher hast du auch kein Attest in der Hand und wirst von deiner Umgebung vielleicht belächelt, wenn du sagst, dass du ein hochsensibles Kind hast. Hochsensibilität ist keine Ausrede und auch keine Modeerscheinung, sondern es ist ein Wesenszug, der sogar messbar ist. Davon haben wir an anderer Stelle schon berichtet. Für dein Kind ist es wichtig, dass die Menschen, die eng mit ihm verbunden sind, wie etwa Großeltern, Tanten, Onkeln, aber auch die PädagogInnen davon erfahren, um auf die besonderen Bedürfnisse deines Kindes eingehen zu können.
  • Alternative Kindergarten- und Schulkonzepte können für hochsensible Kinder die bessere Umgebung sein, weil sie reizreduzierter, strukturierter und ruhiger sind. Erkundige dich nach Waldkindergärten, Montessorieinrichtungen oder Einrichtungen mit einem Waldorf-Schwerpunkt.
  • Offenheit: Kinder haben feine Antennen und hochsensible Kinder nochmals viel feiner. Dein Kind wird „dicke Luft“ merken und darauf reagieren. Es wird spüren, wenn dein Tag schief gelaufen ist und du den Ärger noch mit nach Hause genommen hast, wenn du unzufrieden bist. Gehe mit deinem Problem daher offen um und verheimliche es nicht.

 

Büchertipps zum Thema „Anderssein“:

Monster gibt es nicht … *
Philipp zähmt den Grübelgeier *

Henry mit den Superkräften: … oder warum in jedem Kind ein Held steckt *

Wie Betty das Wutgewitter bändigt *

Irgendwie Anders *

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