„Es ist nur eine Phase“: Kinder verdienen immer unsere Liebe

Mutter mit Kind im Bett
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Kinder verdienen und brauchen unsere Liebe

„Gibt es wirklich Situationen, in denen Kinder unsere Liebe mehr oder weniger verdienen?“

Diese Frage ging mir durch den Kopf, als ich über den Satz „Liebe mich dann, wenn ich es am wenigsten verdiene, denn dann brauche ich es am meisten“ stolperte. Ich verstehe schon den Sinn hinter diesem Satz, aber irgendetwas stört mich daran: Gibt es wirklich Situationen, in denen mein Kind meine Liebe weniger verdient? Und muss sich mein Kind meine Liebe überhaupt verdienen?

Über die bedingungslose Liebe

Ich habe mir immer vorgenommen, mein Kind bedingungslos zu lieben. Bedingungslos zu lieben heißt aber nicht, meinem Kind das immer nur zu sagen, sondern auch so zu handeln. Mein Kind muss es spüren, dass es bedingungslos geliebt wird. Bedingungslos zu lieben heißt, einen Menschen so anzunehmen, wie er ist.

Mein Kind muss sich meine Liebe nicht erst verdienen – ich habe es vom ersten positiven Schwangerschaftstest an geliebt. Einfach, weil es da war. Weil es mein Kind ist. Es braucht nicht so oder so zu sein, damit ich es mehr oder weniger liebe.  Ich liebe mein Kind immer. Bedingungslos bedeutet, mein Kind nicht zu erziehen, sondern es zu begleiten, es nicht durch Lob oder Strafe zu beeinflussen, es nicht durch „wenn…dann“ zu leiten oder ihm Konsequenzen anzudrohen. Ich liebe mein Kind auch dann, wenn es sich ganz und gar anders verhält, als ich es mir wünschen würde. Es bedeutet nicht, mein Kind nur in Zeiten des Sonnenscheins zu lieben, sondern auch in den schwierigen Phasen. Und derer gibt es reichlich. Mein Kind zeigt mir jeden Tag aufs Neue auf verschiedene Weisen meine Grenzen auf.

Elternschaft ist kein Kinderspiel, es ist anstrengend, aber gleichzeitig erfüllend und intensiv.

Über anstregende Phasen für Eltern und Kind

Es gibt Phasen, die sind nicht nur für mich anstrengend, sondern für uns als Familie. Manchmal, da würde ich gerne meine Koffer packen und gehen, ich wünsche mir einen Lautstärkeregler, fünf Minuten Ruhe, zwei Stunden Schlaf am Stück oder einen Klogang alleine. Wie leicht wäre es manchmal, mein Kind zu bestrafen – ich weiß, ich würde damit meinen Willen bekommen. Doch was hat mein Kind davon? Es erfährt, dass ich es nur dann liebe, wenn es sich so verhält, wie ich es gerne hätte. Diese Erfahrung wird sich mein Kind einprägen und sich anpassen, um geliebt zu werden. Denn genau das möchten Kinder: Sie möchten geliebt werden.

Was auch ich als Mama in den anstrengenden Phasen gerne vergessen: Diese „Phasen“ sind nicht nur für uns Eltern anstrengend.

Sondern auch für das Kind.

Diese Phasen sind stetige Begleiter der Elternschaft durch alle Altersstufen hinweg. Sie bringen immer eines mit sich: Neue Fähigkeiten und damit die Neugier, diese zu erproben, zu festigen und in sein Weltbild einzubauen. In dieser Phase wächst mein Kind (körperlich und geistig), es entstehen neue Verbindungen im Gehirn und mein Kind muss mit neuen Erkenntnissen umgehen lernen, die es überfordern. Gerade dann, wenn so viel Neues auf sie einprasselt, wenn sie wieder einmal dabei sind über sich selbst hinauszuwachsen, wenn unser Nervengerüst hauchdünn ist, dann brauchen Kinder eines: Ihren Fels in der Brandung. Ihren Leuchtturm, ihren Leitwolf und das Wissen, geliebt zu werden. Sie brauchen einen liebevollen Menschen, der sie durch diese Zeit begleitet, sie an der Hand nimmt und zeigt: Ich bin für dich da. Sie brauchen keinen bösen Blick, eine Strafe oder Liebesentzug. Auch, wenn das der einfachere Weg wäre – der sichere Hafen ist auch dann da, wenn es gerade Wellengang und eine stürmische See gibt.

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