Geburt im OP-Saal: Der Kaiserschnitt – was ist das?

Bereits jedes vierte Kind kommt per Kaiserschnitt zur Welt. Die Anzahl der Eingriffe stieg im Laufe der letzten Jahre nicht nur durch den medizinischen Fortschritt rasant an – eine Entwicklung, die von Hebammen und der WHO kritisch gesehen wird. Während die WHO eine Empfehlung von 15% abgibt, liegt die Rate in Österreich bei 28%, wobei in einigen Bundesländern bereits die 30%-Marke erreicht wurde. Die Gründe sind nicht immer nur medizinischer Natur, sondern oft wünschen sich Frauen die vermeintlich schmerzfreie Geburt aus Angst, den Wehen und Schmerzen der natürlichen Geburt nicht gewachsen zu sein. Im Gegensatz zur vaginalen Geburt wird beim Kaiserschnitt das Baby über die Bauchdecke aus dem Körper der Mutter geholt.

 

Anstieg der Kaiserschnittrate

Es ist ein Zeichen der heutigen Zeit, über alles die Kontrolle haben zu wollen und so auch beim Thema Geburt. Viele Kinder sind absolute Wunschkinder, auf die lange gebastelt wurde oder auch künstliche Befruchtungen notwendig waren. Da ist es nachvollziehbar, jedes mögliche Risiko, das dem Kindeswohl schaden würde, zu minimieren. Frauen, die lange an ihrem Kinderwunsch gebastelt haben, liegen meist über dem Durchschnittsalter und daher hat sich dieses Risikoprofil ebenso geändert. Eine weitere Beobachtung ist das häufigere Auftreten von sehr großen Kindern, bei denen eine normale Geburt aus anatomischen Gründen nicht möglich ist. Auch vorangegangene negative Geburtserlebnisse veranlassen Frauen dazu, sich für die Geburt im OP zu entscheiden.

Oftmals entscheidet aber auch das Schicksal, dass die Geburt ein Kaiserschnitt wird: Etwa durch die falsche Lage des Kindes oder durch Komplikationen bei der Geburt. Auch Mehrlingsschwangerschaften werden häufig mit einem Kaiserschnitt beendet, sofern nicht alle Kinder mit dem Köpfchen nach unten liegen. Zwar wären in vielen Fällen natürliche Geburten möglich (etwa bei Beckenendlage, Zwillingen oder vorangegangenen Kaiserschnitten), doch Ärzte entscheiden sich oftmals dagegen aufgrund von Haftungsfragen und einer Minimierung des Risikos. Inzwischen fehlt in vielen Spitälern die Erfahrung mit komplizierten natürlichen Geburten – altes Hebammenwissen geht so verloren.

 

Notkaiserschnitt und geplanter Kaiserschnitt

Medizinisch gesehen gibt es zwei Arten: Den Notkaiserschnitt (sekundärer Kaiserschnitt) und den geplanten (primären) Kaiserschnitt.

Ein geplanter Kaiserschnitt wird bei medizinischer Indikation etwa einer Erkrankung der Mutter (Diabetes, HIV, Genitalherpes, Herzleiden), falsche Lage des Kindes oder Mehrlingsschwangerschaften durchgeführt. Auch eine Plazenta Praevia (die Plazenta verdeckt den Muttermund) ist eine unumgängliche Indikation. Ebenso zählen eine Frühgeburt oder Eklampsie, Infektionen des Fruchtwassers oder der Eihäute zu jenen Gründen, die einen Kaiserschnitt unumgänglich machen. Das Ziel ist immer, das Wohl von Mutter und Kind zu gewährleisten und im Falle einer Erkrankung der Mutter das Infektionsrisiko für das Neugeborene zu minimieren. Im Regelfall findet ein geplanter Kaiserschnitt vor dem Einsetzen der Wehen statt, wobei viele Frauen auf eine Vorbereitung für das Baby durch eine Einleitung bestehen.

Wenn während den Wehen der medizinische Notfall eintritt, dann spricht man von einem Notkaiserschnitt. Indikationen dafür sind plötzliche Komplikationen, Sauerstoffmangel für das Baby, unkontrollierter Nabelschnurvorfall, vorzeitige Plazentalösung, Wehenschwäche, falsche Lage des Babys oder ein zu enges Becken. Auch eine erschöpfte Mutter oder ein Geburtsstillstand, aber auch eine Infektion des Fruchtwassers, die erst nach dem Austritt festgestellt wird, kann zu einem Notkaiserschnitt führen.

Jedenfalls ist der Kaiserschnitt keine Geburt zweiter Wahl oder ein Grund, die Geburt abzuwerten. Denn viele Frauen entscheiden sich nicht freiwillig für den Kaiserschnitt. Es gibt Situationen, die diesen Eingriff erfordern. Wenn Sie die Geburt im OP-Saal für sich andenken, informieren Sie sich ausreichend über die Risiken eines Kaiserschnitts, denn es ist und bleibt eine große Bauchoperation.

 

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