Elternabend – Und was eine Frage alles in mir auslöste

Elternabend

Mama Mia erzählt uns von Ihrem Erlebnis beim Elternabend. Und wie war es bei dir?

Eltern bzw. Mütter sind eine ganz besondere Sorte Mensch.

Okay, ich bin auch eine Mutter, aber das war echt schon ein Schauspiel was da abging. Aber der Reihe nach. Bisher war ich den meisten Müttern ja nur beim Hinbringen und Abholen begegnet. Ab und zu unterhält man sich mit der ein oder anderen. Aber nee, jetzt mal ehrlich das was da vor ein paar Tagen abgegangen ist, das war fremdschämen hoch drei. Das geht absolut nicht, das war so endlos peinlich und doof. Ich erzähle euch mal davon. Eins vorweg, es war ein Elternabend von einem Kindergarten-im wahrsten Sinne des Wortes

Eigentlich hatte ich mich auf den Elternabend gefreut.

Ich hatte mich eigentlich auf diesen Elternabend gefreut. Eine tolle Referentin wurde uns zu einem tollen Thema angekündigt. Und die Referentin war auch wirklich toll und professionell. Sie war frisch, locker, witzig und sympathisch. So ein Typ-Frau, mit der ich mich mal gerne auf einen Kaffee treffen würde. Auch das Thema war gut. Es ging um Erziehung, um Zeit haben, um einen Stil zu haben. Ich hatte mir vorgenommen lebhaft an dieser Diskussion teilzunehmen, aber ich sollte keine meiner Fragen stellen können.

Auf solchen Veranstaltungen trifft man ja auf viele verschiedene Arten von Müttern:

  • Einerseits die ehrlich Interessierten, die meist sogar Block und Stift mitgebracht haben
  • Andererseits die, die nur gekommen sind damit man glaubt das Interesse besteht. Dass vor allem die Erzieherinnen das Denken sollen
  • Es gibt die, die einfach nur froh sind mal zu Hause rauszukommen
  • Die die es gerade noch so schaffen, weil sie ja direkt von der Arbeit kommen. Und das auch jedem erzählen.
  • Es gibt die, die bloß nicht angesprochen werden möchten, und wenn doch dann sofort erröten.
  • Und dann gibt es die, die den ganzen Abend nur von sich und ihren Kindern reden. Die eh alles richtigmachen und diesen Abend zur Selbstdarstellung nutzen.

Eigentlich alles harmlose Arten, bis auf die letztere. Und genau diese nervte an diesem Abend unendlich.

Die lockere Einführung machte Lust auf mehr

Nach ein paar witzigen und spaßigen Einführungen und dem Wissen, das wir alle nicht perfekt in der Erziehung unserer Kinder sind. Kamen die ersten doofen Fragen auf. Und das von der genau der Person, die meistens den ganzen Kindergartenflur schon morgens unterhält. In meinen Augen die dümmste und faulste Person weit und breit. Und ganz ehrlich, da kam wirklich nur Müll raus. Ich lauschte und traute meinen Ohren kaum.

Sie tat es wirklich-Sie stellte die Pfefferminz-Frage

„Ist es denn gut, wenn die Oma meiner Tochter vor dem Zähneputzen abends 1 Pfefferminz gibt?“ Die Mutter machte sich Sorgen wegen 1!!!! Pfefferminz? Im Ernst jetzt? Wie war das nochmal in der Werbung? Drei davon haben nicht mal eine Kalorie, oder so ähnlich? Ich hoffte inständig, dass dies nur eine Verlegenheitsfrage gewesen war. Ein paar Momente später legte sie dann aber so richtig los. Sie erzählte äußerst private Einzelheiten ihres Familienlebens. Das weder jemanden interessiert noch anging. Und wer dem Kind verschiedene Obstvarianten ans Bett serviert. Obstvarianten? Hatte ich mich verhört? Nein, hatte ich nicht. Sie war jetzt so richtig im Redefluss, es kam kaum jemand mehr dazwischen. Ich ahnte das das nicht gut enden würde. Es gab ungefragt weitere Einzelheiten. Das Kind ist wohl ein schlechter Esser, das ganze Gegenteil von ihrer Mutter also. Und die fragte sich allen Ernstes, ob sie dem schlecht essenden Kind Omas Pfefferminz verbieten sollte, aber verschiedene Obstvarianten am Bett sind okay? Wenn ich rauchen würde, wäre jetzt eigentlich genau der richtige Zeitpunkt für eine Raucherpause gewesen. Oder zumindest ein kurzer Hieb aus dem Flachmann während der Pipipause.

Dieser Redefluss, dieses Grinsen. Hilfe ich will nach Hause

Sie hört sich unglaublich gerne sprechen und sie spricht sehr viel. Und dieser Singsang in ihrer Stimme mit diesem dusseligen Grinsen, löste bei mir echt Brechreiz aus. Am liebsten hätte ich ihr gesagt: „Mann halt doch endlich mal die Backen. Wir sind nicht alle hier her gekommen um uns deine Fantasie-Geschichten anzuhören. Wir haben uns hier alle heute Abend Zeit genommen und wollen der Referentin lauschen!“

Nächste Thema Bestrafen oder eher nicht bestrafen-da wurde ja jemand plötzlich wach

Die Referentin hatte das Thema des Abends wieder an sich gerissen. Dafür waren wir ja auch hier, ich schaute immer noch Kopf schüttelnd zur Pfefferminz-Mama rüber. Bestrafung bzw. Nicht Bestrafung war das nächste Thema, da wurde plötzlich die Erziehungs-Queen-Mum wach. Sie erzählte von ihren 3 Kindern. Wenn die Kinder Streit untereinander hätten, dann müssten sie nicht alleine aufs Zimmer (das wäre nämlich eine Belohnung und keine Bestrafung) die Kinder müssten dann auf die Treppe Auszeit nehmen. Und dort würde sie dann mit dem großen Jungen reden, und ihm sagen das sie das nicht toll fand was er gemacht hätte. Theoretisch ja ganz lobenswert, nur leider stimmt das ja bei denen nun überhaupt nicht. Der Große ist ihr durch den Arsch gezogen und darf alles. Wenn der Mist baut, kriegen die anderen Kinder Ärger und Prügel. Der Große ist so eine gemeine Ratte, der hat ihre kalten Augen. Und die Kleine wollte sie ja eh „wegmachen lassen“.

P.S. kleine Anmerkung von mir an Sie. „Du hast fünf Kinder und nicht nur drei, nur vergisst du die beiden Ältesten immer. Die wohnen ja auch nicht bei dir. Die hast du im Stich gelassen, als sie dich am dringendsten brauchten. Sie sind aber immer noch deine Kinder“.

Weniger ist manchmal mehr

Mann Leute, Tic Tac hin oder her! Was müsst ihr euch denn immer so verstellen? Müsst ihr denn immer so glänzen? Was müsst ihr euch denn immer so in den Vordergrund drängen? Könnt ihr euch nicht normal verhalten? Habt ihr denn keine Freunde, dem ihr das erzählen könnt?

Man muss nicht so vieles, vor so vielen teils fremden Menschen, von sich preisgeben und sich den ganzen Abend in den Vordergrund stellen. Man kann ein, zwei Sätze zum Thema sagen, oder auch nicht. Manchmal reicht es auch wenn man sich nur seinen Teil dazu denkt. So haben es nämlich viele Mütter an diesem Abend getan.

Auch ich habe nur einen Satz gesagt.

Ich hole mir jetzt erstmal ein Pfefferminz.

Bald haben wir unseren ersten Elternabend in der Schule. Ich freue mich schon. Flachmann und Kippen packe ich ein.

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