Die letzten Male beim letzten Kind sind wirklich die letzten

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Ich habe drei Kinder. Zusammen mit ihnen habe ich viele erste Male erlebt. Manche davon bewusster wie das erste Lächeln, das erste Krabbeln, den ersten Schritt, das erste Wort. Manche ersten Male passierten ganz beiläufig und sie fallen als Meilensteine gar nicht so auf. Der Alltag mit mehreren Kindern ist oft so stressig, dass der Blick auf kleine Dinge dann leider fehlt. Diese Momente kommen nicht mehr zurück. Vor allem davon betroffen sind die weiteren Kinder, denn beim ersten Kind hat man ja nur einen Fokus: Das Kind. Aber dann? Dann gilt es seine Aufmerksamkeit zu teilen – und oft bemerkt man erst bei den Abschieden und letzten Malen, wie schnell die Zeit eigentlich vergeht. Genauso wie es erste Male gibt, gibt es auch letzte Male. Es muss letzte Male einfach geben. Die gibt es bei jedem Kind. Aber beim letzten Kind sind die letzten Male auch wirklich die letzten. Sie sind endgültig. Und das macht es wahrlich nicht einfacher.

Die Sache mit der Endgültigkeit

Minimi ist mein letztes Kind. Ich wusste das nicht gleich, aber es hat sich im Laufe der Zeit herausgestellt. Sie ist unser letztes leibliches Kind. Was kommt, wenn die Kinder erwachsen sind, wenn sie uns als Eltern weniger brauchen, wird sich zeigen: Vielleicht erfülle ich mir den Traum, Pflegekinder aufzunehmen.

Fürs erste sind wir aber komplett. Als wir das gemerkt haben, hat sich einiges geändert: Diese Tatsache hat dazu geführt, dass ich ihr Aufwachsen nochmals bewusster wahrgenommen habe und Lieblingsbeschäftigungen wie Tragen, Stillen, in den Schlaf begleiten noch viel länger genossen habe. Ich habe fast daran festgehalten und sie hinausgezögert, um sie noch länger zu genießen. Die Eile, dass sie groß und selbständig wird, war weg. Ich würde sogar behaupten, sie manchmal bei ihrem Ehrgeiz zu bremsen: Sie muss sich noch nicht selber anziehen können, sie muss noch keine Reißverschlüsse zumachen. Sie hat für das alles noch Zeit. Sie frustriert es ja am meisten, wenn ich ihr alles abnehmen möchte. Als Dank und dezenten Hinweis ernte ich immer ein „Mama, ich kann das schon alleine!“ Ich muss mich also wirklich zurücknehmen und mich von ihr leiten lassen. Bei ihr sind die letzten Male immer etwas ganz Besonderes: Das letzte Mal einen dritten Geburtstag feiern, das letzte Mal stillen, das letzte Mal…. Mir wird richtig wehmütig ums Herz, denn ich weiß: Das kommt nicht wieder. Diese Endgültigkeit ist es, die mir Minimi immer wieder vor Augen führt.

2016 wird wieder alles anders

Haben wir uns langsam an einen Alltag mit Krippe, Schule und Job gewöhnt, wird gleich Anfang 2016 wieder alles anders. Es steht uns ein weiterer Punkt auf der „Letzten-Male-Liste“ bevor: Der Abschied aus der Kinderkrippe. Minimi wird ein Kindergartenkind und ich sehe ein Mal mehr, wie groß sie schon ist. Während sich andere Mamas freuen und stolz auf diesen Schritt sind, fällt es mir nicht leicht, sie ziehen zu lassen. Klingt kitschig. Aber wenn sie schon im Kindergarten ist, ist es nicht mehr lange bis zur Schule, dann macht sie schon bald Matura und zieht aus.

Es ist dieses Mal ein endgültiger Abschied aus der Krippe. Da darf man als Mama schon ein wenig sentimental werden.

Dieses Mal sage ich nicht „Wir sehen uns bald wieder“, sondern dieses Mal ist es ein Abschied für immer.

Ein Abschied von einer besonders behüteten und liebevollen Umgebung mit wunderbaren empathischen PädagogInnen, die sich mit Herz und Liebe um die Kinder kümmern. Alle drei Kinder erlebten bei ihnen eine geborgene Krippenzeit – sie fühlten sich wohl, hatten Spaß und haben viel für sich mitnehmen können. Es war viel mehr als nur aufpassen, es entstand eine sichere Bindung – zum ersten Mal haben sich meine Kinder anderen Personen geöffnet und in ihnen Vertrauenspersonen gefunden. Es war ein komischer Gedanke, dass ich nicht mehr der wichtigste Mensch im Leben meiner Kinder bin. Nun gab es andere Menschen, die sie auch lieb gewonnen haben und das auch zum Ausdruck brachten. Sie haben Nähe und Sicherheit bei anderen Menschen gesucht und ein Teil ihres Lebens spielte sich woanders ab. Ein schwerer Gedanke, der es mir nicht leicht machte, mich zu trennen. Andererseits: Was ist mir lieber? PädagogInnen, die nur Pflichterfüllung ohne Herz machen oder Menschen, die für die Kinder leben und sich ihrer annehmen? Keine Frage. Eigentlich. Wenn es da nicht um meine Kinder gegangen wäre.

Ich ziehe meinen Hut

Ich wusste immer, dass meine Kinder dort in guten Händen sind. Gerade da bin ich sehr vorsichtig. Jedoch war auch ich diejenige, die die Eingewöhnung nicht verkürzen wollte, sondern es genossen hat, die Atmosphäre in der Gruppe in sich aufzusaugen. Dass sich das Kind schon freiwillig von mir verabschiedet hat und mich zur Tür brachte, habe ich dezent ignoriert. Ob das ein Zeichen war? Sicher nicht. Es war in der Gruppe so harmonisch, empathisch, liebevoll. Teilweise auch hektisch und ich habe die PädagogInnen immer für ihre Ruhe, Geduld und Gelassenheit bewundert. Für uns hat es perfekt gepasst und das hat mir ermöglicht, wieder zu arbeiten – was ich auch wollte und was mir gut tat. Aber nur unter der Bedingung, dass es meinen Kindern gut geht. Und das tat es.

Wer es noch nicht gemerkt hat: In unserem Familiengespann bin ich diejenige, die mit dem Abschied Schwierigkeiten hat.

Nicht das Kind.

Das hat ja schon erfolgreich bei den Großen geschnuppert und mir immer begeistert erzählt, was sie alles erlebt hat. Der Tag im Wald, das Spielen im Garten, der Theaterbesuch – ein Ausflugsflash für mein Kind, der sie begeistert hat und Lust auf mehr machte. Sie ist bereit für die große Gruppe, denn schließlich ist sie eines gewöhnt: Den Umgang mit älteren Kindern. Da fühlt sie sich sicher. So ist das wohl mit den jüngeren Kindern. Sie macht Entwicklungsschritte durch, die ich  gar nicht merke.

Ich weiß, ich weiß, das alles klingt nun furchtbar kitschig und sentimental. Ich soll mich doch über ihre Entwicklungsschritte freuen und sie auf ihrem Lebensweg begleiten. Jaja, ich weiß. Mir geht es ja auch gar nicht darum, sie klein zu halten. Ich weiß, dass sie der Situation gewachsen ist, für den Wechsel bereit ist und schnell neue Freunde finden wird. Sie ist ein offenes Kind, das neugierig ist und schnell zu begeistern. Sie wird anfangs noch überfordert sein, nachmittags wieder ein wenig grantiger und mehr Zuneigung brauchen. Darauf freue ich mich ja schon ein bisschen, denn das bringt mir eines zurück: Mein kleines Mädchen, das schon gerne so groß sein möchte, dann aber doch wieder den sicheren Hafen sucht und Nähe auftanken kann.

Wir gehen beide einen Schritt nach vorne und lassen uns auf ein neues Abenteuer ein. Ich muss mich erst damit anfreunden, kein Krippenkind mehr zu haben und wiederum ein Stück der Babyzeit aufzugeben. Umso mehr freue ich mich dann auf jene Momente, wo sie wieder einfach klein ist und sich holt was sie braucht: Mich.

Geschenk für PädagogInnen zum Abschied

Für den Abschied haben wir auch ein kleines Geschenk für die PädagogInnen vorbereitet. Aber psst, ich darf es euch noch nicht zeigen, denn sie liest hier mit 🙂

Wenn du auf der Suche nach Ideen bist, dann schau mal hier vorbei:

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