Wenn Kinder Wechstaben verbuchseln – Legasthenie

Laura ist 8 Jahre alt. Sie geht in die 2. Klasse Volksschule. Laura hat ein Problem: Sie verwechselt Buchstaben. Sie kann sich die Schreibrichtung nicht merken, lässt beim Schreiben Buchstaben aus und kann nicht altersentsprechend lesen. Damit ist Laura nicht alleine. Sie hat Legasthenie.

Legasthenie: Was ist das überhaupt?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) unterschiedet zwischen zwei Formen: Der Lese-Rechtschreibstörung (Legasthenie) und der Lese-Rechtschreibschwäche (LRS). Der Unterschied liegt darin: Hat ein Kind aufgrund einer erklärbaren Ursache vorübergehende Probleme mit dem Lesen und (Recht-)Schreiben, spricht man von einer Lese-Rechtschreibschwäche. Haben die Schwierigkeiten jedoch keine klare Ursache, dann liegt eine Störung, Legasthenie, vor. In der Praxis wirkt sich diese Unterscheidung nicht auf das Kind aus – der Unterschied ist nur für die Therapie wichtig.

Was kann eine Legasthenie auslösen?

Legasthenie ist eine komplexe Störung, die viele Ursachen haben kann. Forscher sind schon lange dran, die Ursachen für Legasthenie zu finden. Untersuchungen haben z.B. ergeben, dass Kinder mit Legasthenie die Informationen beim Sehen und Hören anders verarbeiten. Dahinter liegt eine genetische Ursache. Es gibt aber kein Gen, das die Legasthenie weitervererben würde – nur, weil ein Elternteil z.B. Legastheniker ist, muss das Kind noch lange nicht Legasthenie haben. Deswegen vermuten Experten einen komplexen Zusammenhang zwischen genetischer Vorbelastung und verschiedenen Umwelteinflüssen.

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Legasthenie: Typische Anzeichen im Volksschulalter

Oft wird eine Legasthenie erst im Volksschulalter diagnostiziert, wobei aufmerksamen Eltern die ersten Anzeichen schon im Vorschulalter auffallen können: So können ein verzögerter Sprechbeginn, eine undeutliche Aussprache die ersten Anzeichen sein. Aber auch, wenn das Kind Schwierigkeiten hat Reimwörter zu finden, Probleme beim Silbenklatschen hat, die Unterscheidung von Formen, Buchstaben und Zahlen schwer fällt, es bei der Sprach-Laut-Unterscheidung Schwierigkeiten hat und sich Reime oder Lieder nur schwer merkt, sollten Eltern ein wachsames Auge auf die weitere Entwicklung haben und sich erkundigen, wie sie ihr Kind unterstützen können.

Wir haben eine Checkliste für Volksschulkinder zusammengestellt.

Anzeichen für Legasthenie beim Lesen

Das Kind…

  • liest undeutlich, langsam und stockend
  • zieht Buchstaben nicht zu einem Wort zusammen
  • kann den Inhalt des Gelesenen nicht wiedergeben
  • hat den Sinn des Gelesenen nicht verstanden
  • verliert die Zeilen im Text
  • lässt Wörter, Silben oder Buchstaben aus, verwechselt sie oder fügt sie hinzu
  • verschluckt Endsilben
  • errät Wörter statt sie zu lesen

Anzeichen für Legasthenie beim Schreiben

Das Kind…

  • hat eine hohe Fehleranzahl bei Diktaten oder abgeschriebenen Texten
  • hat eine schlechte Handschrift
  • schreibt langsam
  • schreibt Wörter im Text mehrfach unterschiedlich falsch
  • macht viele Grammatikfehler
  • verwendet Satzzeichen häufig falsch
  • verwechselt harte und weiche Mitlaute (b und p)
  • vertauscht Wörter, Silben und Buchstaben oder lässt sie aus bzw. fügt sie hinzu

Allgemeine Anzeichen für eine Legasthenie

  • Das Kind hat auch in anderen Fächern Probleme, da es nicht mitschreiben oder nur langsam lesen kann
  • Das Kind hat psychische Probleme wie Bettnässen, Depressionen, Bauchweh vor Deutsch-Tests, Hyperaktivität
  • Das Kind möchte nicht lesen und schreiben

Legasthenie: Wie wird sie festgestellt?

Für Kinder im letzten Kindergartenjahr können Auffälligkeiten im Rahmen der Sprachstandsfeststellung diagnostiziert werden, die dann mit weiteren Verfahren, wie etwa dem Bieldefelder Screening zur Früherkennung von Lese-Rechtschreibschwierigkeiten, überprüft werden. Hierbei wird mittels eines 20- bis 30-minütigen Tests das phonologische Bewusstsein geprüft, aber auch das Lang- und Kurzzeitgedächtnis und die visuelle Aufmerksamkeit des Kindes. Im Volksschulalter gibt es mehrere Verfahren, um eine Legasthenie festzustellen. Ein beliebtes Testinstrument ist das Verfahren nach Sindelar.

Wenn du nun den Verdacht hast dein Kind in dieser Beschreibung wiederzufinden, dann ist der erste Schritt, dass du die Klassenlehrer darauf ansprichst und fragst, ob sie deine Beobachtung teilen. Was du bei Legasthenie tun kannst und welche Therapiemöglichkeiten es gibt, erfährst du im nächsten Teil.

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