Was du tun kannst, wenn Kleinkinder trödeln

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Was tun, wenn dein Kleinkind trödelt?

Es gibt Kinder, die „trödeln“ bzw. wird ihr Verhalten von ihren Eltern gerne als trödeln bezeichnet, und das meistens dann, wenn die Zeit drängt. Gerade, wenn wir noch mehr unter Zeitdruck stehen, scheinen unsere Kinder in Müßigkeit zu verfallen und Bewegungen in Zeitlupe auszuführen. Der Weg zum Kindergarten gestaltet sich wie eine lange Reise, weil unterwegs noch die Kieselsteine betrachtet werden müssen. Dahinter steckt jedoch die Schwierigkeit zu erkennen, wann eine Aktivität endet und die nächste beginnt. Egal ob es das Anziehen ist, das Außer-Haus-Gehen, das Weitergehen – Doch warum trödeln Kinder?

Warum Kinder trödeln

Vorab: Dass Kinder trödeln ist bis ins Volksschulalter (und auch noch darüber hinaus) völlig normal und auch altersgerecht. Als Faustregel gilt: Je jünger ein Kind ist, desto mehr trödelt es.

Die Ursache für das Trödeln lässt sich ganz einfach mit der Gehirnentwicklung erklären: Jüngere Kinder schaffen es noch nicht, sich schnell auf neue Situationen einzustellen. Das Kind geht an eine neue Situation mit bestimmten Erwartungen heran: Es möchte sich nach demselben Prinzip anziehen, mit einem bestimmten Ritual ins Bett gebracht werden etc. – läuft etwas jedoch außerhalb des Programms, kann sich das Gehirn nicht so schnell umstellen und gerät aus dem Konzept.

Dass dein Kind spontan auf Veränderungen reagieren kann, ist eine kognitive Leistung des GehirnS, die erst erlernt werden muss. Dein Kind trödelt nicht boswillig – es läuft vielleicht gerade in einem anderen Programm als du.

Schwellenangst

Kinder trödeln nicht aus Böswilligkeit, sondern auch, weil sie sich von vielen Dingen leicht ablenken lassen und noch kein Zeitgefühl besitzen. Haben Kinder jedoch eine Tätigkeit gefunden, die sie interessiert, dann können sie darin eintauchen, sich vertiefen und alles um sich herum vergessen. Kindern sind eben nicht dieselben Dinge wichtig wie uns Erwachsene.

Es gibt aber noch einen Grund, der sich Schwellenangst nennt. Unter der Schwellenangst wird verstanden, dass Kinder neue Aufgaben oder Situationen verweigern – sie suchen nach Möglichkeiten und Taktiken, um diese neuen Herausforderungen zu umgehen und schieben es so lange vor sich her. Im Volksschulalter sieht man das oft bei Kindern, die dann vor einem Test Fieber bekommen. Diese Kinder brauchen viel Einfühlungsvermögen und Feinfühligkeit von den Erwachsenen, um die Schwellenangst zu überwinden.

Was du tun kannst, wenn dein Kind bummelt

1. Kündige Veränderungen an

Für dein Kind besteht der Alltag aus vielen Veränderungen, auf die es sich einstellen muss: Es muss das Spielen unterbrechen, um sich anzuziehen, um dann nach draußen zu gehen. Nach-Draußen-Gehen ist aber am Vormittag nicht dasselbe wie am Nachmittag: Während es früh Morgens hektischer zugeht, weil du selbst pünktlich in der Arbeit sein musst, hast du nachmittags Zeit für ausgedehnte Kieselsteinbetrachtungen. Wenn dein Kind am Spielplatz spielt, muss es das Spiel wieder unterbrechen, wenn du nach Hause gehen willst. Und so geht es den ganzen Tag. Besonders wenn Eltern einen straffen Zeitpan haben, dann kann sie ein trödelndes Kind täglich sprichwörtlich auf die Palme bringen. Dein Kind kann jedoch nichts dafür, da das Gehirn sich noch nicht so flexibel auf neue Situationen einstellen kann. Keineswegs ist dein Kind ein Trödler, es ist auch nicht phlegmatisch oder ein Träumer. Es ist schlichtweg ein Kind, das mit den Veränderungen noch nicht so gut klarkommt.

Was du also tun kannst, ist ganz einfach: Kündige Veränderungen an. Das erleichtert deinem Kind den Übergang, da es sich so darauf vorbereiten kann. Es wird nicht überraschend aus einer Situation gerissen, sondern weiß, was geschehen wird. Jedoch genügt es nicht zu sagen, dass ihr in 3 Minuten geht, sondern dein Kind muss auch wissen, was es dann machen muss: Sandspielsachen einpacken, Schuhe anziehen, etc. So weiß dein Kind schon, was du von ihm möchtest.

2. Sanduhren, Wecker & Co.

Vielen Kindern fällt ein Übergang von einer Situation in die nächste leichter, wenn sie ein akustisches Signal haben oder irgendwo sehen, wie lange sie noch spielen können. Was beim Zähneputzen mit einer Sanduhr im Einsatz ist, kann auch in anderen Situationen verwendet werden: So sieht und hört dein Kind, wie viel Zeit ihm noch bleibt.

3. Abläufe visualisieren

Visualisiere Zahnputz-und Kloregeln: Kleine Schilder, auf denen Schritt für Schritt abgebildet ist, in welcher Reihenfolge das Kind die Toilette benutzen soll. Was hier gut hilft und den Kindern bei Struktur und Abläufen hilft, kann auch in anderen Situationen verwendet werden: Fotografiere dein Kind beim Gute-Nacht-Ritual, in der Früh, beim Anziehen etc. Jeden Schritt einzeln. Die Fotos lässt du dann ausarbeiten oder gestaltest mit ihnen ein Fotobuch. Du kannst auch ein Plakat damit gestalten und aufhängen, an dem dein Kind sieht, was als nächstes folgt.

4. Zeit geben und einplanen

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Das Thema „trödeln“ hat auch mit kooperieren zu tun. Und wenn wir ehrlich sind, kooperieren unsere Kinder im Alltag sehr oft mit uns – leider übersehen wir als Eltern diese Kleinigkeiten oft, weil wir gewisse Handlungen erwarten. Dass unser Kind beim Zähneputzen den Mund aufmacht, dass es uns einen Arm beim Anziehen entgegenstreckt, dass es das Wasser aufwischt, wenn es ausgepatzt hat, wenn es sich morgens beeilt…. in all diesen Kleinigkeiten arbeiten Kinder mit uns zusammen. Leider sehen wir nur oft jene Situationen, in denen etwas nicht so gut klappt: Wenn das Kind wieder nicht weitergeht, wenn es beim Anziehen trotzt oder sich nicht die Zähne putzen lässt.

Auch dein Kind hat Bedürfnisse und wünscht sich, dass diese ernst genommen werden. Du kannst deinem Kind entgegenkommen, in dem auch du ein paar Minuten mehr Zeit einplanst, damit es sich selber anziehen kann, wenn es das gerade gerne möchte, noch ein paar Blumen für die Pädagogin im Kindergarten pflücken oder noch Blätter sammeln kann. Das nur ein paar Minuten, aber sie zeigen deinem Kind, dass du auch seine Bedürfnisse ernst nimmst.

Natürlich heißt es nicht, dass alle Wünsche des Kindes sofort in Erfüllung gehen müssen. Das wäre für ein Kind auch nicht gut, wenn es immer der Mittelpunkt des Universums ist. Genauso wäre es für ein Kind jedoch auch eine ungünstige Situation, wenn seine Bedürfnisse in der Familie keine Rolle spielen.

Was du also tun kannst: Zeit einplanen und überlegen, wie du dein Bedürfnis mit dem deines Kindes verbinden kannst.

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5. Ein Übergangsobjekt mitnehmen

Vielen Kindern fällt ein Übergang auch leichter, wenn sie etwas mitnehmen dürfen. Das ist ein Trick, der vor allem dann bei Kinder gut klappt, wenn das Verabschieden aus einer Situation trotz Vorbereitung immer wieder zu Widerstand führt. Vielleicht kann ein Andenken vom Spielpatz mitgenommen werden wie ein kleiner Stein, ein Ast oder ein Blatt, vielleicht kann von zu Hause ein kleine Kuscheltier in der Jackentasche versteckt werden oder ein Blumenstrauß unterwegs gepflückt werden. Das machen viele Kinder gerne und lernen so, sich leichter auf neue Situationen einzustellen.

6. Häufiger „Ja“ sagen

Der Eltern-Kind-Beziehung tut es gut, wenn Eltern häufiger mal „Ja“ sagen: Ob Radlerhose über einer Strumpfhose im Winter, Nudeln mit den Fingern essen, am Boden zu schlafen oder lieber aus dem blauen statt aus dem roten Becher zu trinken – es ist in Ordnung, dem Bedürfnis des Kindes nachzukommen. Und sie werden sich dadurch keine schlechten Angewohnheiten angewöhnen, denn sie sehen, dass Nudeln ansonsten mit Besteck gegessen werden oder dass alle anderen in einem Bett schlafen. Derzeit ist es aber ein Bedürfnis des Kindes, sich auszuprobieren und eine normale Phase in der kindlichen Entwicklung. Trauen wir unseren Kindern zu, dass sie mit ihren Experimenten umgehen können und stellen wir uns unserer Angst in der Erziehung etwas falsch zu machen oder zu versagen. Sagen wir nicht gleich Nein, sondern fragen wir uns: Warum eigentlich nicht? Und wenn es wirklich nicht geht, dann ist ein „Nein“ auch in Ordnung. Aber wir glauben, dass ein „Nein“ heute viel zu schnell gesagt wird aus dem Grund, weil „man das nicht so macht“.

7. Ruhe bewahren

Wenn wir selbst unruhig, nervös oder gestresst sind, dann erreichen wir bei unserem Kind Vieles, aber sich nicht dass es sich beeilt. Je lauter und hektischer wir werden, desto weniger erreichen wir unser Kinder mit unserem Bedürfnis. Daher ist es wichtig, dass du Ruhe bewahrst und einen Zeitpuffer einplanst, auf den du dann gelassen zurückgreifen kannst.

8. Unterhaltung

Mit Reimen oder Liedern fällt so manches leichter. Ob es nun das Anziehen ist, das Duschen am Abend, das Weitergehen in den Kindergarten.

9. Bachblüten, die beim Trödeln helfen

  • Wild Rose: wenn das Kind keine Lust und keinen Ehrgeiz hat, wenn es überfordert ist
  • Carb Apple und Rock Water: wenn alles lange dauert
  • Hornbeam: bei fehlendem Zeitgefühl (Volksschulalter) und ständiger Müdigkeit
  • Agrimony und Scleranthus: wenn sich dein Kind leicht ablenken lässt
  • Clematis: für kleine Traumtänzer
  • Chiccory, Heather und Vine: wenn Kinder durch das Trödeln im Mittelpunkt stehen wollen und andere damit beschäftigen
  • Beech, Holly und Impatiens: Für die Eltern, um sich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen

Die Mischungen kannst du in der Apotheke rezeptfrei herstellen lassen. Für Kinder gibt es auch die Möglichkeit, die Tropfen auf Basis von Wasser und Essig statt Alkohol herstellen zu lassen, dafür sind sie weniger lange haltbar.

10. Über Bedürfnisse reden

Damit dein Kind überhaupt die Chance hat sich auf eine neue Situation einzustellen ist es wichtig, dass du mit deinem Kind über deine Bedürfnisse sprichst. Erkläre deinem Kind, dass es heute in der Früh schnell gehen muss, weil du einen wichtigen Termin hast, wenn du dein Kind dann abholst, darf es wieder Blumen pflücken und Ameisen beobachten.

 

Was du vermeiden solltest, wenn dein Kind trödelt

  1. Ständige Ermahnungen: Wenn du dein Kind ständig antreibst, wird es dennoch nicht schneller, sondern fühlt sich überfordert.
  2. Laut werden: Hektik und Unruhe übertragen sich auf dein Kind. Wenn du dein Kind anschreist, weil du dich über das Trödeln ärgerst, verschärft das die Situation nur.
  3. Keinen Zeitpuffer einplanen: Das beste Mittel gegen Trödel-Stress ist, einen Zeitpuffer einzuplanen und schon 15 Minuten früher gehen, damit das Kind noch die Kieselsteine betrachten kann.
  4. Keine Rituale: Rituale unterstützen Übergänge und können in Form von Plakaten festgehalten werden. Für unterwegs könnten es auch in Spiralbindung gebundene Fotobücher sein, die in jeder Handtasche Platz finden.
  5. Ideenlosigkeit: Ablenkung und Unterhaltung, lustige Reime, Wettkämpfe wie „Wer ist zuerst beim Mistkübel“ oder Aufgaben helfen, dass dein Kind konzentriert bei der Sache bleibt.

 

Bücher zum Thema „trödeln“:

 

 

Quellen:

Remo Largo: Babyjahre: Entwicklung und Erziehung in den ersten vier Jahren
Gabriele Haug-Schnabel: Grundlagen der Entwicklungspsychologie: Die ersten 10 Lebensjahre
Monika Niederle: Kinderängste verstehen
Joachim Armbrust: Warum Kinder Ängste haben: Kinderängste verstehen und bewältigen

Kinderängste

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