Verträumte Kinder in der Schule – passt das zusammen?

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Ich bin wie sie und sie ist wie ich. Es ist schön mit einem Menschen zusammenzuleben, der genauso tickt wie ich, aber es ist auch schwierig, weil ich weiß, was auf sie zukommt. Mein Kind ist der introvertierte Typ, zurückhaltend, schüchtern, sehr verträumt. Lieber beobachtet sie 10 Minuten einen Marienkäfer am Fensterbrett, als sich auf ihr Arbeitsblatt zu konzentrieren und irgendetwas auszumalen.

Vorladung

Im Mitteilungsheft steht, dass es Redebedarf gäbe und ich solle doch bitte in der Sprechstunde vorbeikommen. Die Begründung: Sie summt immer vor sich hin, sie konzentriert sich nicht auf die Aufgabe, die sie soll, sie träumt, lebt in ihrer eigenen Welt, hat eine rege Phantasie, ist langsam und findet nur schwer Anschluss in der Gruppe. Sie würde sich nicht an Anker halten, an Gruppenaktivitäten nicht teilnehmen und schon gar nicht würde sie Aufgaben in der vorgegebenen Reihenfolge erledigen. Der Kontakt zu älteren Kindern scheint ihr wichtig zu sein.

Aha. Soviel also zu meinem Kind.

Und?

Im ersten Moment wusste ich nicht, ob ich schmunzeln oder verzweifelt sein sollte. Ist das nun wirklich so schlimm? Ist es so verwunderlich, dass mein Kind seine eigenen Ideen hat und auch umsetzt? Ist es schlimm, dass sie Phantasie hat? Kann man überhaupt zu viel Phantasie haben?

Mein Kind hat eigene Ideen

Mein Kind hat eigene Vorstellungen vom Leben. Schon immer. Kinder zeigen uns das schon als Baby, sie zeigen es uns in der Autonomiephase wenn sie vermeintlich „trotzen“ und „rebellieren“, sie zeigen es uns in den alltäglichen Situationen mit ihnen. Sie hatte immer schon eigene Ideen vom Leben und wusste, was sie wollte. Wenn sie Ruhe brauchte, legte sie sich einfach hin und zog sich zurück. Wenn sie Nähe brauchte, kroch sie nachts unter meine Bettdecke. Wenn sie müde war, schlief sie – und das musste nicht zwingend um 20 Uhr sein, wenn ich mir meinen kinderfreien Abend erhofft hätte.

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So ist mein Kind

Meine Tochter ist ein verträumtes Kind mit einem großen Herz. Sie hat viel Empathie und Mitgefühl für andere, hält Streit nur schlecht aus, hasst es Völkerball zu spielen, weil sie andere damit verletzten könnte. Sie ist bezaubernd, fröhlich, gut gelaunt. Wenn es ihr zu viel wird, dann macht sie zu und ist in Gedanken oft weit weg – in ihrer eigenen Welt. Sie kann nur schlecht mit zu vielen Reizen umgehen, sie hält Lautstärke nicht gut aus und kann es auch nicht leiden, wenn durcheinander gesprochen wird. Gruppenaktivitäten überfordern sie und sie beobachtet lieber, als mitzumachen.

Ich frage mich: Was soll dieses Gespräch bringen? Natürlich werde ich der Einladung folgen, denn ich bin um eine gute Zusammenarbeit bemüht. Aber werden wir den Kern des vermeintlichen „Problems“ anpacken?

Der Kern

Der Kern ist nämlich: Sie schwimmt nicht mit. Sie hinterfragt Regeln, hat einen eigenen Kopf und eigene Ideen, genießt ihre Traumwelt und ist dabei noch höflich und freundlich. Schaut so das Problemkind von heute aus? Oder passen hier einfach zwei Welten nicht zusammen? Ihre und die der Schule mit dem Ziel, die Kinder auf die Welt da draußen vorzubereiten?

Hochsensible Kinder in der Schule

In mir drinnen hatte ich den großen Wunsch und die Hoffnung, dass ihre Gabe gesehen und geschätzt werden würde. Sie ist hochsensibel. Das war sie schon immer. Sie wurde hochsensibel geboren. Sie ist ein komplexes Kind. Dabei geht es ihr nicht darum, anderen das Leben schwer zu machen. Es geht ihr darum, ihren Platz in der Welt zu finden. Eigentlich völlig logisch, denn danach suchen wir alle: Nach unserem Platz. Ich frage mich nur: Passt sie in dieses System? Ist das Schulsystem schon bereit für Kinder wie sie?

Ich hoffe es. Sie ist so, wie sie ist. Und so ist sie gut.

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