Übergewicht bei Kindern – das sollten Eltern tun

Übergewichtigen Kindern muss im Alltag geholfen werden, damit das Risiko an weiterführenden Erkrankungen aufgrund der Fettleibigkeit wie Herzerkrankungen, Diabetes, Asthma oder Knochenschäden vorgebeugt wird. Doch was können Eltern tun?

 

Hinschauen, statt wegschauen

Viele Kinder kennen heute beim Essen keine Grenzen mehr, sie werden nie satt, sind kleine Dauermampfer. Ähnlich der Raupe Nimmersatt. Nur der Ausgang ist ein nicht so schöner. Die Gesundheit des Wonneproppens ist in Gefahr, doch viele Eltern wollen diese Lage erst gar nicht sehen, suchen die Schuld bei anderen oder schieben das übermäßige Gewicht auf noch vorhandenen Babyspeck.

Dabei kommen alle Babys mit einem natürlichen Sättigungsgefühl auf die Welt, das ihnen zuverlässig signalisiert, dass sie genug haben. Erst durch das Eingreifen der Erwachsenen, durch „Die Flasche muss es aber austrinken“ oder „Na der eine Bissen geht schon noch“ oder „Wenn du nicht aufisst, regnet es morgen“ wird das Sättigungsgefühl abtrainiert – immer dann, wenn Erwachsene meinen, es besser zu wissen, wann das Kind satt ist. Es gibt aber auch noch einen anderen Weg: Wenn das Baby weint, bekommt es etwas zum Essen in die Hand gedrückt, damit es beschäftigt und ruhig ist. Dabei tut Langeweile gut, es steckt hinter dem Quengeln womöglich ein ganz anderes Bedürfnis als Essen. Essen wird so zum Seelentröster und täglichen Begleiter. Die Kombination aus zu viel, bevorzugt süß und wenig Bewegung führt zu einer ungesunden Lebensweise, die oft mit Übergewicht im Kindesalter endet. Eine Beobachtung, die Kinderärzte und Ernährungsexperten in den letzten Jahren immer öfter feststellen mussten.

Natürlich gibt es auch erblich bedingt Fettleibigkeit oder durch Krankheiten ausgelöst – in diesem Fall ist das Übergewicht zwar minder gefährlich, aber anders zu bewerten.

 

Die Folgen des Übergewichts

Kinder sind schonungslos und sagen die Wahrheit. So werden dicke Kinder öfter Opfer von Mobbingattacken, werden ausgelacht, verspottet und gehänselt. Übergewicht lässt sich nicht verstecken und wegreden. Dabei fühlen sich dicke Kinder in ihrer Haut nicht unbedingt unwohl, sie merken zwar, dass sie dicker sind, leider aber unter keinen körperlichen Schmerzen – warum dann also etwas ändern? Weil die gesundheitlichen Folgen ein schleichender Prozess sind: Verkalkung der Gefäße, erhöhter Blutdruck, Diabetes, eine Fettleber – das alles kann im Erwachsenenalter zu schwerwiegenden Beeinträchtigungen führen, wenn das „Problem“ nicht schon im Kindesalter angegangen wird. Nur dann ist ein gesundes langes Leben möglich.

 

Da müssen alle mit

Die beste Diätverordnung für ein Kind nützt nichts, wenn nicht die ganze Familie dahintersteht und das Kind unterstützt: Es muss dann für alle Familienmitglieder dieselben Regeln geben, dasselbe Essen, dieselben Ziele. Wird die Diät hingegen nur einem Familienmitglied verordnen, fühlt sich dieses Kind schnell wie ein Außenseiter. Dabei geht es im Kindesalter selten um eine richtige Diät, da diese im Zeitraum des Wachstums nicht zielführend wäre. Vielmehr wird ein gesunder Lebensstil angestrebt, von dem dann die ganze Familie profitiert. So soll es nicht merklich Gewicht verlieren, sondern das Gewicht halten und so im Laufe seines Wachstums aus dem Übergewicht herauswachsen.

 

Unbekannte Kalorienfallen

Kalorien verstecken sich nur in den offensichtlichen Lebensmitteln wie Süßigkeiten, Naschereien und Chips, sondern auch in Getränken, Säften, Fast Food und den schnellen Snacks zwischendurch oder vor dem Fernseher. Aus dieser Spirale erst einmal zu entkommen ist die größte Herausforderung für die Familie, denn lieb gewonnene Ernährungsgewohnheiten werden nur ungern aufgegeben – das gilt für Kinder gleichermaßen wie für Erwachsene. Erschwerend kommt hinzu, dass in unserer Gesellschaft die Verlockungen rund um die Uhr erhältlich sind und eigentlich schlechte Lebensmittel durch spezielle Aufdrucke wie „mit viel Vitamin C“ als gesund verkauft werden. Bei einer ausgewogenen und gesunden Ernährung geht es nicht darum die Zucker- und Fettfallen komplett zu verbannen, sondern diese gelegentlich zuzulassen. Aber mit Maß und Ziel. Neben der Ernährung kommt noch eines hinzu: Sport. Ohne regelmäßige Bewegung funktioniert das Abnehmen bzw. Gewicht halten nicht.

Eine gesunde Ernährung und regelmäßige Bewegung sollten im Leben des Kindes eine zentrale Rolle spielen und selbstverständlich werden – dann sind auch kleine Ausrutscher und Ausnahmen auf Geburtstagspartys akzeptabel. Eine genaue ärztliche Untersuchung und Begleitung durch einen Ernährungscoach, aber auch Aufklärung und Wissen über Lebensmittel, ihre Inhaltsstoffe und die Eckpfeiler einer gesunden Ernährung sind wesentliche Bestandteile, die über den Erfolg bestimmen.

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