Trösten macht unsere Kinder stark!

trösten macht stark

Trösten macht unsere Kinder stark

Überall sind sie zu sehen: Eltern, die Apfelsaft verdünnen. Eltern, die Helme kaufen. Eltern, die Schultaschen tragen und Sicherheitsgurte anlegen. Kein Wunder, dass Kinder verweichlicht sind – da hat Sabrina Hoffmann den Kopf auf den Nagel getroffen. Oder?

Die schrecklichen 80er-Jahre

In den Sozialen Netzwerk wurde der Artikel von Sabrina Hoffmann aus der Huffington Post „Liebe Eltern: Hört auf, eure Kinder zu verweichlichten Menschen zu erziehen“ mehrfach geteilt und diskutiert. Der Titel ist schon so reißerisch gewählt, dass der Inhalt keine große Überraschung mehr ist. Es geht um Übermuttis, um Helikoptereltern, die ihre Kinder verweichlichen und verwöhnen, sie zu Bewegungsmuffel erziehen, ständig trösten wegen jeder Kleinigkeit und ach Gott, um ihre Kinder besorgt sind.

Der Artikel hat mittlerweile über 46.000 Likes und wurde über 8.000 Mal geteilt. Großer Applaus. Und das ist erschreckend.

„Wenn ich nicht Pipi machen wollte, musste ich so lange auf dem Töpfchen ausharren, bis ich es doch tat. Einmal beim Mittagessen zwang mich eine Erzieherin, ein Büschel Petersilie zu essen, obwohl ich das eklig fand. Mit dem Ergebnis, dass sie später fluchend ein anderes Kind saubermachen musste, das ich vollgekotzt hatte.

Die Pädagogik der 80er-Jahre klingt rückblickend sehr grausam. Aber ich habe keine bleibenden Schäden davongetragen. Vielleicht hat es mich sogar stärker gemacht.“

Geht es darum? Um die Abhärtung kleiner Kinderseelen? So ein Klaps hat niemandem geschadet? Behütung führt zu Bewegungsarmut, sodass Kinder „versteift sind? (Ich glaube mal eher, dass dahinter Fernseher und Co. stecken, nicht Überhütung). Laut der Autorin geht es dabei um Vorbereitung auf die Realität, das wirkliche Leben – und Fürsorge der Eltern wie Bioessen oder trösen eines Kindes durch PädagogInnen werden ins Lächerliche gezogen. Aber was wünscht sich die Autorin? Dass es keine Kindheit mehr gibt? Dem Kind sagen: „Stell dich nicht so an?“ So frei nach dem Motto:

„Hinfallen, aufstehen, Krone richten, weitergehen“?

Dieser Spruch wird in den sozialen Netzwerken ja ebenso gerne verbreitet und so sehr ich auch verstehe, was er uns sagen möchte, bleibt immer eines hängen: „Reiß dich zusammen.“ Aber das geht nicht immer und muss es auch nicht. Es gibt Zeiten im Leben, die sind schlimm. Und für Kinder sind das andere Zeiten als für uns Erwachsene. Krisen gehören zum Leben und man kann niemanden davor beschützen. Es ist aber auch nicht in Ordnung, sich einfach aufzurichten und weiterzumachen. So, als wäre nichts gewesen.

Nein, es tut gut in dieser Zeit innezuhalten, zu trösten, zu kuscheln. Warum muss denn immer alles so schnell funktionieren und wieder weitergehen? Darf ein Kind seinen Gefühlen nicht Platz machen? Ist dafür in unserem Leben keine Zeit mehr? Muss ein Kind da immer auf Knopfdruck funktionieren und angepasst sein?

Trösten macht stark

Sollten meine Kinder jemals in meine Fußstapfen treten und auch wie ich schreiben, dann wünsche ich mir von Herzen, solche Sätze nie von ihnen lesen zu müssen, wenn sie an ihre eigene Kindheit denken. Das würde mir im Herzen weh tun.

Ich verwöhne und verweichliche meine Kinder nicht, wenn ich sie ernst nehme, mich mit ihren Empfindungen und Gefühlen auseinandersetze und nicht einfach danach beurteile: „Wenn die Hand noch dran ist, ist es nicht so schlimm.“

Vertrauen in meine Kinder

Mein Vertrauen in meine Kinder geht soweit, dass ich ihnen zutraue, selbst zu entscheiden, was sie essen. Ja, schon im Babyalter durften sie den Beginn der Beikost festlegen und sie durften entscheiden, wieviel sie essen und was sie probieren möchten. Dazu muss ich sie nicht zwingen, wenn ich mich ein wenig damit beschäftige, warum Kinder manche Sachen nicht essen, warum sie gerade im Kindergartenalter heikel sind und wann die Neugier wieder kommt. Und ich traue ihnen zu selbst einzuschätzen, wann sie auf die Toilette müssen. Auch da muss ich nicht dahinterstehen und sagen: „Du sitzt jetzt so lange, bis etwas geht.“ Was Kinder wirklich stark macht ist keine autoritäre Erziehung, sondern Verlass auf die Eltern, die ihnen Halt geben: die sie trösten, wenn sie Trost brauchen, die ihnen Nähe und Zuwendung schenken, die gerne Zeit mit ihnen verbringen und die sie lieben, so wie sie sind. Sich angenommen und respektiert fühlen ist meiner Meinung nach die Basis, um sich selbst entwickeln und entfalten zu können. Damit verzieht und verwöhnt man seine Kinder nicht. Man macht sie stark.

In diesem Sinne: Trösten macht stark!

Deine Anna

*Werbung, da Verlinkung zur Huffington Post*

Merken

TEILEN