Schlaflernprogramme? Bitte tu es nicht!

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Warum Eltern beim Schlafen so verunsichert sind

Schlafen ist eines der zentralen Themen im ersten Lebensjahr, weil nichts so sehr an den Nerven und am Familienglück zerrt wie Schlafmangel. Ganze Bücherregale sind mit unzähligen Ratgebern gefüllt: vom Schreien lassen, bis zum Akzeptieren. Doch warum sind Eltern gerade bei einem grundlegenden Bedürfnis wie Schlaf so verunsichert bzw. lassen sich so verunsichern?
Ganz einfach: Weil sie nicht nur immer wieder von den durchschlafenden Babys im eigenen Zimmer hören und dann irritiert sind, dass ihr eigenes Baby alle zwei Stunden nachts wach wird und im Familienbett schläft, sondern auch, weil sie immer wieder mit Vorwürfen konfrontiert werden, sie würden ihr Baby verwöhnen.

Lass dir eines sagen: Du kannst dein Baby nicht verwöhnen, wenn du seine Bedürfnisse wahrnimmst und erfüllst. Wenn du mehr darüber wissen möchtest, dann lies hier weiter:

Verwöhnen: Kein Kind muss lernen, allein zurecht zu kommen!

Warum sind Schlaflernprogramme so erfolgreich?

Der Erfolg von Schlaflernprogrammen ist ganz einfach zu erklären: Da gibt es ein Buch mit einer Schritt-für-Schritt-Anleitung und dem Verspechen, dass das Kind nach wenigen Tagen 12 Stunden durchschläft. Klingt doch verlockend, oder? Wie das gehen soll? Indem das Kind nicht mehr aus dem Bettchen genommen wird, sondern nur noch verbal getröstet. Hat es sich beruhigt, verlassen die Eltern das Zimmer. Weint das Kind erneut, wird es wieder verbal beruhigt – die Abstände, bis die Eltern wieder zum Baby gehen, werden aber kontinuierlich verlängert, damit das Baby lernt, sich selbst zu beruhigen und so selbst ein- und damit auch durchzuschlafen. Das ist das Programm nach Annette Kast-Zahn – andere Modelle verzichten zwar auf das „Schreien lassen“, aber unterm Strich erfährt ein Baby bei keinem Schlaflernprogramm Geborgenheit und Sicherheit. Wenn Babys dann nach einer Weile einschlafen, dann schlafen sie aus Erschöpfung und Resignation – sie geben auf.
Schlaflernprogamme versprechen, die Schlafprobleme der Kinder zu lösen und treffen damit den Kern müder Eltern, die endlich wieder schlafen wollen. Verpackt als sanfte Methoden, Konsequenz oder konsequentes Training vermitteln sie das Gefühl, dem Kind beim Schlafen lernen zu unterstützen und es nicht schreien zu lassen.

Dabei müssen Kinder nicht schlafen lernen. Sie können nur schlafen. Nur eben anders.

Schlafprogramme und Todesangst

Wer ein Schlafprogramm anwendet, sollte sich einer Sache bewusst sein: Es geht dabei nur um das Verhalten des Kindes. Ursprünglich wurden solche Schlaflernprogramme als Notfall-Programm für Eltern entwickelt, die ihren Kindern gegenüber Aggressionen bis hin zu Mordgedanken aufbauten. Es war ein verhaltenstherapeutisches Programm bzw. es ist bis heute noch eines. Zwar wurden durch Ferbers „Solve you child’s sleep problems“ eine Welle von Ratgebern ausgelöst, die dem Prinzip folgten, aber Psychologen, Pädagogen und Hirnforscher warnen davor, solche Schlaflernprogramme anzuwenden:

  1. Schlaflernprogramme bedeuten Schmerz: Ja, wenn Babys schreien gelassen werden, erfahren sie körperlichen Schmerz. Mehr dazu erfährst du hier:

Schreien lassen oder warum uns Stress krank macht

2. Babys lernen nicht zu schlafen, sondern sie geben auf

3. Schlaflernprogramme sind für die Entwicklung schädlich

Emotionale Bedürfnisse wie Nähe, Wärme oder Geborgenheit werden bei Schlaflernprogrammen nicht berücksichtigt. Damit wird Kinder aber eines vermittelt: Meine Bedürfnisse sind nicht wichtig. Ich muss lernen, alleine mit meiner Angst auszukommen. Damit sind Kinder jedoch überfordert und es stresst sie – dieser Stress wirkt sich auf ihre Entwicklung negativ aus. Nur wenn Eltern achtsam mit ihren Kindern umgehen und sie liebevoll begleiten können die Möglichkeiten und Strategien entwickeln, wie sie ohne Stress mit ihren Ängsten umgehen können.

Mehr darüber, wie Schlaflernprogramme funktionieren und wie es wieder mit ruhigen Familiennächten klappt, zeigen wir dir hier:

Hände weg von Schlaflernprogrammen!

Dein Kind braucht kein Programm…

Unabhängig von allen Studien, die es auf dem Gebiet gibt, frage ich mich: Wie schaffen es Eltern, so ein Programm durchzuziehen? Wie halten sie es aus, vor der Tür des Kinderzimmers zu stehen, sein Baby weinen zu hören und dennoch nicht hinzugehen? Ist es wirklich so (wie schon mehrfach gelesen), dass Eltern zu Ohropax greifen, die Musik laut aufdrehen, sich die Ohren zuhalten oder mehrere Türen schließen, um das Weinen des Kindes auszublenden? Zeigt so ein Verhalten nicht wie untypisch es ist, ein weinendes Baby alleine zu lassen? Ein Kind zu haben bedeutet, nicht irgendein Programm durchzuziehen, sondern auf die Bedürfnisse jedes Familienmitgliedes einzugehen, sie ernst zu nehmen und darauf zu reagieren. Wenn man auf sein Herz und seinen Bauch hört, dann kann es doch gar nicht möglich sein, so ein Programm durchzuziehen – oder?

… oder vielleicht doch?

Die ersten Wochen und Monate waren auch bei meinen Kindern furchtbar anstrengend und ich erinnere mich daran, wie müde und blass ich aussah. Wenn ich heute Fotos von dieser Zeit sehe, dann sehe ich darauf keine topgestylte, glückliche Mutter, sondern ich sehe eine müde und erschöpfte Frau mit Augenringen und ungewaschenen Haaren. Phasenweise hatte ich das Gefühl, nicht mehr zu können – gerade dann, als meine ersten beiden Kinder nachts die Angewohnheit entwickelten, nacheinander aufzuwachen und mir den Schlaf zu rauben. Da hilft auch das netteste Angebot des Mannes nichts, wenn sich das Kind aber nur von der Mama beruhigen lässt. Ich war körperlich am Ende, ich war müde, launisch, grantig und verzweifelt. Der Alltag mit zwei Kindern unter zwei forderte mich jeden Tag aufs Neue. Wochenlang verbrachte ich die Nächte im Stillsessel oder auf der Couch, ohne zu wissen, wann es besser werden würde und ohne zu wissen, wann ich wieder schlafen kann.
Genau in dieser Zeit war auch ich empfänglich für Schlaflernprogramme und suchte ebenso nach Tipps, wie ich meine Kinder dazu bringe, einzuschlafen, durchzuschlafen, mehr als 2 Stunden am Stück zu schlafen. Hauptsache: Schlafen. Und ja, auch ich hielt das Bestseller Schlafbuch in den Händen – niederschwellige, schnelle, unkomplizierte Hilfe – genau das war es, was ich wollte. Und genau das ist es, was viele verzweifelte Eltern wollen und in Schlaflernprogrammen finden.
Ich bin überzeugt davon, dass alle Eltern das Beste für ihre Kinder geben und wollen – und manchmal auch nicht wissen, wie diese Schlaflernprogramme funktionieren und was sie bei unseren Kindern anrichten bzw. welche Alternativen es gibt und wie Babys überhaupt schlafen.

Der normale Babyschlaf

Babys schlafen nicht wie Erwachsene – sie wachen alle 2-3 Stunden nachts auf und versichern sich, dass du noch da bist und sie in Sicherheit sind. Dein Baby braucht deine Nähe, um schlafen zu können. Um wieder einzuschlafen, stillen sie. Saugen wirkt beruhigend. Sie brauchen die Nahrung aber auch um zu wachsen. Dein Baby braucht dich, um einzuschlafen. Babys schlafen auch nicht immer gut – sie haben unterschiedliche Phasen. Wenn sie zahnen, wachsen oder krank sind, dann schlafen sie schlechter, wachen öfters auf, brauchen mehr Nähe. Und: Jedes Baby ist anders. Manche Babys schlafen mehrere Stunden am Stück, sind dann aber eher die Ausnahme. Dass dein Baby dich auch nachts braucht, ist ganz normal und von der Evolution und seiner Entwicklung auch so vorgesehen.

Tag-Nacht-Rhythmus vom Baby finden

Viele Neugeborene sind zu Beginn ihres Lebens „Nachteulen“ und machen die Nacht zum Tag. Sie wissen noch nicht, dass sie nachts schlafen und untertags aktiv sein sollen. Ein Baby schläft einfach dann, wenn es müde ist und dann, wenn es in getragen oder geschoben wird – so wie sie es auch aus der Zeit im Bauch kennen. Für die Umstellung brauchen sie in der Regel mehrere Wochen Zeit. Wenn du wissen möchtest, wie du dein Baby dabei unterstützen kannst, dann lies hier weiter:

https://www.welovefamily.at/tag-nacht-rhythmus-vom-baby-finden/

Tipps, damit dein Baby schlafen kann

Damit dein Baby schlafen kann, sind zwei Dinge wichtig: Es muss müde und entspannt sein. Es gibt zwar keinen Entspannungsschalter, aber einen hilfreichen Trick der Natur: Die Spiegelneuronen. Wenn du mehr darüber erfahren möchtest, dann lies in den beiden folgenden Artikeln weiter:

Mein Baby will nicht schlafen

Suchst du Tipps, wie dein Baby einschlafen kann?

6 sinnvolle Dinge, die Babys beim Einschlafen helfen

Wenn all diese Tricks nichts geholfen haben, dann kannst du noch auf Produkte zurückgreifen, die das Einschlafen unterstützen. Derer gibt es zwar viele sinnlose am Markt, aber ein paar sind doch dabei, die dir in schwierigen Zeiten ein paar Minuten mehr Schlaf bescheren können:

6 sinnvolle Dinge, die Babys beim Einschlafen helfen

Trickkiste für Nicht-Nächte

Natürlich kennst du sie alle, die tollen Ratschläge, wie das Baby mit Sicherheit vielleicht irgendwann einmal schlafen wird. Die meisten Tipps davon bekommst du von Nicht-Eltern, die glauben, die Nicht-Nächte von durchgefeierten Wochenenden zu kennen. Aber sei dir sicher: Nicht-Nächte nach einer Party sind anders.

Trickkiste für Nicht-Nächte

Und nicht zu vergessen: So überstehst du den Tag nach einer kurzen Nacht

Manche Tage beginnen schon um 4 Uhr – da würde ich behaupten, ich hatte Glück – es hätte ja auch 2 Uhr sein können, wenn Töchterchen die Nacht für beendet erklärt. Aber egal wie man es dreht und wendet, irgendwie muss man als Mama dann durch den Tag kommen. Wir haben 10 Tipps für dich, wie du trotz Augenringe und Schlafdefizit den Tag (halbwegs) überstehst:

Übernächtig: 10 Tipps, wie du den Tag nach einer kurzen Nacht überstehst

Rat gefragt: Mamis wollten wissen

Kind, 1 Jahr, wacht nachts ständig auf

Schreien am Abend – was kann ich tun?

Kann mein Baby durchschlafen lernen?

Wie lernt mein Baby von alleine einzuschlafen?

9 Monate: Abstillen I Durchschlafen – hilft das?

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Wie war es bei dir? Hast du bei deinem Kind ein Schlaflernprogramm ausprobiert?
Oder hattest du so ein schlafendes Wunderbaby?
Haben wir noch Tricks vergessen, die du anderen Mamis unbedingt mitgeben möchtest?
Oder möchtest du anderen Mamis Mut machen?
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Ich freue mich!

Deine Anna

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