Nestchen fürs Babybett wirklich gefährlich?

Wollte mal was fragen ich hoffe es stört nicht aber ich wüsste sonst nicht wo ich so viele Eltern erreiche. Und zwar was sagt ihr? Nestchen im Gitterbett – ja oder nein? Wir haben jetzt keines weil überall steht, dass das schlecht ist. Aber mein Kleiner ist jetzt 6 Monate und dreht sich in alle Richtungen. Und bleibt dann auch mit den Füßen zwischen den Stäben stecken und weint dann natürlich. Meine Kinderärztin hat heute gesagt, ich soll ihm ein Nestchen geben, weil sie noch nie gehört hat, dass das schlecht ist. Jetzt kenn ich mich nicht aus. Also was sagt ihr dazu? Danke schon mal!

 

Hallo, vielen Dank für deine Frage.
Seit einer Studie von Bradley T. Thachs, einem emerierten Professor für Kindermedizin von der Universität Washington, der gemeinsam mit zwei Verbraucherschützern Fälle des Plötzlichen Kindstod untersucht hatte, stehen Nestchen in einem schlechten Licht. Die Studie kam zu dem Ergebnis, dass für mindestens 23 Todesfälle von Babys in den USA in den vergangenen sieben Jahren ein Babynestchen die Ursache war. Die Forscher kamen zu dem Ergebnis, dass Nestchen zwar davor schützen können, dass sich ein Baby den Kopf stößt oder sich mit dem Beinen hängen bleibt, aber es sei kein Fall dokumentiert, bei dem es dadurch zu einer ernsthaften Verletzung gekommen wäre.
Wenn dein Baby schläft ist wichtig, auf eine gute Luftzirkulation zu achten, weil es ansonsten zu einer Überwärmung kommen kann. Ein Nestchen als Schutz gegen Verletzungen zu verwenden scheint vielen Eltern – und wie man an diesem Beispiel auch sieht Kinderärzten – wichtig zu sein, doch dass sich Kinder im Schlaf bewegen und auch einmal mit ihrem Kopf gegen die Gitterstäbe stoßen oder sich mit ihren Beinen darin einhängen, ist vollkommen normal. Ihr Schutzinstinkt sorgt jedoch dafür, dass sie sich dabei nicht verletzen.
Dass sich Kinder im Schlaf viel bewegen hat zwei Gründe:
1. Viele Kinder suchen nach einer Begrenzung, wie sie sie am Ende der Schwangerschaft erfahren haben und robben so im Bett gegen das Kopfteil oder gegen die Stäbe, um diesen Gegendruck, der ihnen vertraut ist und Geborgenheit vermittelt, zu spüren.
2. Es wird angenommen, dass sich Kinder durch die Bewegung im Bett wieder leichter in die nächste Schlafphase finden.
Kaufen Eltern nun aus Besorgnis ein extra dick gepolstertes Nestchen, tun sie ihrem Kind damit nichts Gutes, denn je luftundurchlässiger das Nestchen ist, desto eher kann es zu einem Wärmestau kommen. Dadurch steigt das Risiko für den Plötzlichen Kindstod (SIDS). Aber noch etwas kann bei den dicken Nestchen geschehen: Wattierte Babynestchen bergen die Gefahr, dass das Kind seinen Kopf darin vergräbt und durch die damit verbundene Rückatmung ebenso das Risiko für den Plötzlichen Kindstod ansteigt.
Die meisten Nestchen werden mit Bändern an den Gitterstäben befestigt. Doch so gefahrlos sind diese nicht: In zu kurzen Bändern könnte sich das Kind mit seinen Fingern verheddern, von zu langen Bändern geht eine akute Strangulationsgefahr aus. Sobald Babys mobil werden und im Bettchen auch stehen, können wattierte Nestchen zu einer gefährlichen Aufstiegshilfe werden, die einen Sturz aus dem Gitterbett zur Folge haben können.
Ein Nestchen stellt in der Tat ein gewisses Risiko für dein Kind da, wenn du es gemeinsam mit einem Himmel verwendest. Deswegen immer: Nestchen oder Himmel, weil dann die Luft auch nach oben weg kann. Wichtig ist, dass ihr ein luftdurchlässiges Nestchen verwendet, da Kohlendioxid schwerer als Luft ist. Das Kohlendioxid, das wegen einem dichten Nest oder wegen geschlossenen Wiegenwänden nicht entweichen kann, lagert sich auf der Matratze. Wenn du ein Nestchen verwenden möchtest, dann wähle unbedingt eines aus dünnem Stoff, das mit Klettverschlüssen befestigt werden kann. Höher als 20-30 Zentimeter sollte die Bettumrandung auch nicht sein.
Weil du geschrieben hast, dass sich dein Kind mit den Füßen in den Stäben vom Kinderbett immer verheddert: Das gibt sich irgendwann. Als Alternative könntest du einen Schlafsack für dein Kind verwenden, damit sich seine Beine dann nicht mehr im Gitterbett einhacken können.

Liebe Grüße
Anna von welovefamily

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