Mein Kind will nicht Zähneputzen – Teil 1

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In Elternforen ist das Thema „Zähneputzen“ bzw. eher das Thema „Mein Kind will nicht Zähneputzen“ ein häufiges. Grund genug also, einen Artikel darüber zu schreiben. Es scheinen wohl tagtäglich in vielen Badezimmern große Machtkämpfe zwischen Eltern und Kindern ausgetragen zu werden, wenn es um das Thema Zähneputzen geht. Das muss nicht sein.

Wir möchten dir in diesem Artikel Wissenswertes zu den Themen Zahngesundheit und Zahnpflege mitgeben, aber natürlich auch ein paar Tricks, wie das Zähneputzen auch bei dir entspannt wird – ja vielleicht sogar lustig.

 

Zahnen und der erste Zahn

Wusstest du, dass es Babys gibt, die bereits mit einem Zahn geboren werden? Das ist zwar nur sehr selten, es kommt aber vor. Andere Babys  wiederum feiern ihren ersten Geburtstag noch zahnlos – du siehst, die Spanne ist sehr groß. Viele Eltern vermuten schon im dritten Lebensmonat des Babys mit den ersten einsetzenden Speichelfluss den ersten Zahnschub zu sehen. Das kann sein, muss aber nicht. Der Speichel hängt eher damit zusammen, dass die Bauchspeicheldrüse ihre Arbeit aufnimmt. Daher sabbern die Babys. Aber weil man als Mama immer irgendeine Begründung braucht um die schwierigen Situationen zu meistern und es lt. Tabelle gerade keine Zeit für einen Schub ist, müssen es eben die Zähne sein. Solange man sich liebevoll um sein Kind kümmert und es begleitet, ist es auch egal, welchen Namen man der Phase gibt.

Bei den meisten Kindern brechen die ersten Zähne um den 6. Lebensmonat herum durch – fast die Hälfte aller Kinder hat mit dem Zahnen keine Probleme. Oder sie gehen bei der hohen Anzahl an Infekten unter. Wenn ein Zahn durchbricht, ist dieser Vorgang an einem geschwollenen und roten Zahnfleisch zu bemerken. Es schmerzt, wenn es berührt wird. Kühlung und harte Gegenstände zum Kauen und Beißen tun dann gut und verschaffen Linderung. Mehr dazu findest du in unserem Artikel „Zahnen: Sanfte Hilfen für das Baby“.

 

Ein Tipp: Eis aus Muttermilch! Einfach längliche Eiswürfelbehälter mit Muttermilch füllen und einfrieren. Beim Zahnen kann das Muttermilcheis dem Baby in die Hand gegeben werden. Die Kühlung verschafft Linderung.

Zahnen ist ein möglicher Grund, warum das Zähneputzen phasenweise verweigert wird – und ein guter Grund, den Eltern akzeptieren sollten. Das tut weh. Wer eine Zahnfleischentzündung kennt, der wird es nachvollziehen können.

 

Die Milchzähne müssen in keiner bestimmten Reihenfolge durchbrechen – auch, wenn es ein Muster gibt bei den meisten Kindern: Die beiden unteren Schneidezähne kommen zuerst, gefolgt von den beiden Schneidezähnen oben, gefolgt von den zweiten Schneidezähnen oben und unten, dann die ersten Backenzähne, gefolgt von den Eckzähnen. Den Abschluss bilden die zweiten Backenzähne. Ob die letzten Backenzähne schon mit 1,5 Jahren durchbrechen oder erst mit 3 Jahren, ist von Kind zu Kind unterschiedlich. Die Zähne beschäftigen einen also noch ein wenig.

 

Der Zahnwechsel

Ein paar Jahre hat man dann aber Ruhe und muss sich nur um die Pflege kümmern, bevor die ersten Milchzähne ausfallen. Übrigens meist in der Reihenfolge, in der sie auch durchgebrochen sind. Bei manchen Kindern beginnt der Zahnwechsel schon mit 5 Jahren, andere müssen warten, bis sie 7 oder 8 Jahre alt sind. Wer glaubt, dieser Zahnwechsel vollzieht sich schnell, der irrt: Erst mit 12 oder 13 Jahren ist der Zahnwechsel komplett abgeschlossen. Die Zähne lassen einen einfach nicht in Ruhe.

 

Karies – wie kommt er in den Mund?

Die Zahnpflege beginnt üblicherweise mit dem ersten Zahn.  Wasser und eine Kinderzahnbürste reichen aus, bis der Zahn durchgebrochen ist. Dann wird es Zeit für eine Kinder-Zahnpasta.

Karies kommt nicht alleine von schlechter Ernährung, sondern es handelt sich dabei um Streptokokken-Bakterien, die über die Mundschleimhaut weitergegeben werden. Meist dann, wenn die Eltern den Löffel des Kindes abschlecken und dann weiter füttern, oder den Schnuller in den Mund nehmen. Die Kariesbakterien produzieren aus Kohlenhydraten vorwiegend Milchsäure, die den Zahn angreift. Speichel kann die Säure neutralisieren, wenn ihm zwischen den Mahlzeiten genug Zeit gegeben wird. Erst wenn Kohlenhydrate ständig zugeführt werden, kann die Zahnoberfläche beschädigt werden. Eine spezielle Form der Karies ist der Flaschenkaries, der durch zu langes Nuckeln an der Flasche ausgelöst wird.

 

Was ist mit Stillkaries?

Stillende Mütter bekommen oft zu hören, dass das nächtliche Stillen Karies verursacht. Das stimmt so nicht, denn die Trinktechniken beim Stillen und beim Trinken aus der Flasche unterscheiden sich voneinander: Der Unterschied liegt darin, dass beim Stillen die Zähne nicht von der Milch umspült werden, sondern die Milch gleich in den hinteren Rachen gelangt und geschluckt wird. Beim Nuckeln an der Flasche kommen die Zähne deutlich mehr mit der Milch  oder anderen kohlenhydrathaltigen Getränken in Kontakt, wodurch Karies entstehen kann.

 

Wusstest du, dass die Muttermilch zudem Substanzen enthält, die vor dem Streptokokken-Bakterium schützt?

Eine gute Zahnpflege ist dennoch wichtig.

 

Richtige Zahnpflege – worauf ist zu achten?

Das Zähneputzen beginnt mit dem ersten Zahn. Idealerweise wird schon das Zahnfleisch leicht massiert, damit sich das Baby daran gewöhnt, dass da etwas in seinem Mund ist. Es muss nicht drei Mal täglich geputzt werden – Zahnärzte sagen, bis zu zweiten Geburtstag reicht es aus, im Rahmen des Zu-Bett-Geh-Rituals die Zähne gründlich zu reinigen. Ob eine Handzahnbürste, eine Rotationsbürste oder eine Ultraschallbürste ist (relativ) egal. Bei der Handzahnbürste geht es mehr um eine Ausbildung der feinmotorischen Fähigkeiten. Wichtig ist – und das gilt für alle Zahnbürsten – dass es eine spezielle Kinderzahnbürste

Auf die richtige Technik kommt es aber an: Auf den Kauflächen wird nur hin- und hergeputzt. Das schaffen Kinder mit 2,5-3 Jahren schon gut. Die Außenflächen werden zunächst mit großen kreisenden Bewegungen geputzt. Mit etwa 5 Jahren schaffen Kindern dann schon kleine kreisende Bewegungen zum Reinigen. Die Innenflächen sind die kniffligsten für Kinder, da sie mit einer Bewegung von unten nach oben geputzt werden – da müssen sie dann schon 7 Jahre alt sein, um diese Bewegung zu schaffen. Mithilfe eines Spiegels in Kinderhöhe und dem Vorbild der Eltern schaffen es Kinder leicht, diese Technik zu erlernen. Nachputzen müssen Eltern dennoch bis zu einem Alter von gut 8-9 Jahren.

 

Der erste Zahnarztbesuch – wann ist es soweit?

Je früher, desto besser. Am besten nimmt man das Kind immer zu den Vorsorgeuntersuchungen mit. So entstehen erst gar keine Ängste, denn das Kind erlebt den Zahnarzttermin als etwas völlig normales. Es reicht aus, wenn das Kind einfach zuschaut. Vielleicht ist es schon mutig genug und lässt sich auch in den Mund schauen. Auf Mamas oder Papas Schoß lässt sich das gut schaffen.

 

Was du am besten mit Zahnputzverweigerern machen kannst und woher diese Verweigerung kommt, erfährst du im 2. Teil unserer Serie.

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