Horrorclowns als Schulthema?

Wenn ich auf die letzten Monate zurückblicke, dann erinnere ich mich an viele Gespräche mit meinen Kindern, von denen ich mir gewünscht hätte, sie niemals führen zu müssen. Ach, seien wir ehrlich: ich wäre gar nicht auf die Idee kommen, dass diese Themen ihre Kindheit jemals „belasten“ könnten. Denn ja, mit Kindern über Terror zu sprechen, darüber, dass Menschen kaltblütig und unwillkürlich getötet werden, belastet Kinder. Nicht mit ihnen darüber zu sprechen ist aber (ab einem bestimmten Alter) auch nicht mehr möglich, weil die Schlagzeilen und Bilder überall sind – und vor allem spüren Kinder eines: Die Angst, die Unsicherheit, die Spannung, das Entsetzen, den Schock, den auch wir spüren, wenn wir von Attentaten wie z.B. in Paris hören.

Die Unbeschwertheit ist weg

Die Bilder sind beängstigend und dennoch überfluten sie die Zeitungen und Titelblätter. Berichte über Anschläge in den Nachrichten, besorgte Gesichter, Hassparolen – das alles sind Dinge, mit denen auch Kinder konfrontiert werden. Kinder, die die Geschehnisse ohne die Unterstützung von uns Erwachsenen nur schwer einordnen können – doch wie soll man etwas erklären, das einem selbst so unfassbar scheint? Ist es nicht so, dass wir unsere Kinder vor solchen Nachrichten und schlimmen Dingen eigentlich schützen möchten? Und dennoch können wir nicht vermeiden, dass sie mitbekommen, dass sich etwas verändert.

Die aktuellen Themen müssen also aufgearbeitet werden: Kinder schnappen Bilder auf, Kommentare, sie hören, was die Erwachsenen reden, was andere Kinder am Schulhof erzählen und können alles nicht zuordnen. Es wirkt auf sie verstörend und nicht zu wissen, was los ist oder was passiert ist, macht ihnen Angst. Sie können es nicht begreifen, sie können die Bilder nicht einordnen, auch, wenn sie das Leid und die Sorge sehen. Wenn ich mir etwas wünschen könnte, dann, dass die Welt anders wäre und meinen Kindern keine Angst macht. Sie sollte ein freundlicher Ort sein, an dem sich alle wohl fühlen und willkommen sind. Aber das Leben ist kein Wunschkonzert.

Nicht nur in meinem Leben hat sich vieles durch die gegenwärtige Situation geändert, auch in ihrer Kindheit. Auch wenn uns bis jetzt keines dieser Themen persönlich in unserem Leben betroffen hat, so hat die Tatsache, dass solche Akte geschehen, etwas mit uns gemacht. Das können wir nicht wegreden. Und es bricht mir jedes Mal das Herz, wenn ich daran denke, mit welchen Ängsten und Sorgen ich ihre Kindheit belaste. Doch ich möchte nicht, dass sie sich aus anderen Einflüssen etwas zusammenreimen oder ihnen etwas vermittelt wird, das ich so nicht stehen lassen kann.

Ich halte es also für wichtig, dass meine Kinder erfahren, was in der Welt passiert. Kindgerecht. Ich kann ihnen die Welt nicht vorenthalten.

Horrorclowns als Thema in der Schule

„Mama, hast du auch schon einen Horrorclown gesehen“ war eine der ersten Fragen nach der Schule. Mir stockte leicht der Atem. Wieder ein Thema mehr, das unseren Kindern Angst bereitet und für Verunsicherung sorgt. Wieder ein Stück unbeschwerte Kindheit weg, stattdessen Unsicherheit und Besorgnis. Dabei sollten Kinder noch keine Sorgen haben, sie sollten sorgenfrei aufwachsen – aber geht das überhaupt noch frage ich mich.

Horrorclowns – wenn ich also mit meinen Kindern darüber spreche, dann muss ich mit ihnen darüber reden, dass es Menschen gibt, die anderen etwas Böses wollen. Ich muss mit ihnen sprechen, dass es Menschen gibt, die es lustig finden, andere zu verletzen oder zu erschrecken. Aber eigentlich weiß ich gar nicht, wie es meinen Kindern sagen soll und wo die Grenze zwischen erschrecken und einer Straftat ist. Das Thema wurde (auch medial gepusht) zu einem Hype, der nun viele Anhänger findet – leider.

Und somit ist es auch ein Stück ihrer Realität geworden – in der Schule ging es darum, wie sich die Kinder verhalten sollen, dass es sich dabei um keinen Streich handelt (es kamen andere Kinder im Schulhof „Horroclown“ gespielt) und es ging auch um das richtige Verhalten, wenn sie am Heimweg sind und einem Horrorclown begegnen – wie krass ist es eigentlich, darüber mit ihnen reden zu müssen? Ja, wir haben darüber gesprochen, dass sie mit niemandem Fremden mitgehen dürfen, in kein Auto einsteigen, dass sie keine Süßigkeiten annehmen sollen und auch niemandem glauben, der ihnen sagt, er/sie würde sie zu ihren Eltern bringen. Künftig werden wir unseren Kindern auch noch sagen müssen, dass sie sich vor Horrorclowns mit Kettensägen in Vorsicht nehmen müssen. WHAT THE F***?

Horrorclowns – ich verstehe es nicht. Muss das sein? Muss das wirklich sein? Haben wir nicht schon genug andere Probleme? Was ist mit den Menschen los? Was bitte schön ist daran lustig, andere Menschen in Todesangst zu versetzen? Was? Wie krank sind die Menschen denn? Was läuft da alles schief?

Ich weiß nur eines: Es gibt ein Thema mehr, das sie in den nächsten Tagen noch viel beschäftigen wird und sie werden noch viele Fragen haben. Ich werde schon mal versuchen, Antworten zu finden. Und: Sie werden wieder zur Schule gebracht und auch abgeholt, bis sich die Situation beruhigt hat. Ein wenig Freiheit wurde ihnen wieder genommen.  Falls es so etwas überhaupt noch gibt.

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