Babyzeichensprache – bringt ihr eurem Kind Zeichen bei?

Hallo, ich habe eine Frage: Ist es sinnvoll seinem Baby die Babyzeichensprache beizubringen? Danke, Jessica

Hallo Jessica,

unsere Babys kommunizieren mit uns von Anfang an. Babys sind in ihrem Ausdrucksvermögen keineswegs eingeschränkt – sie müssen nicht einmal Schreien, um zu kommunizieren. Das Schreien ist eigentlich die letzte Stufe der Kommunikation für dein Baby – es weint dann, wenn gar nichts mehr geht. Wenn seine Bedürfnisse und seine Signale bisher nicht beachtet und erfüllt wurden. Babys drücken sich nur anders aus und weil wir Erwachsene das nicht gewohnt sind braucht es einfach Zeit, bis wir eine gemeinsame Sprache mit unserem Kind entwickelt haben. Bei unserem Baby müssen wir genau hinsehen, es genau beobachten, seine Mimik und Gestik wahrnehmen und daraus lesen, welche Bedürfnisse es hat und was es braucht. Schon lange bevor ein Baby weint zeigt es uns deutlich, dass etwas nicht passt. Ziel ist also schon vorher zu erkennen, was uns unser Baby sagen möchte.

Aber nicht nur beobachten ist bei einem Baby wichtig, sondern auch zuhören. Das wird dich nun verwundern, denn was sagt ein Baby schon? Sehr viel! Das Ausreden lassen kannst du schon in der ersten Lallphase üben – lass dein Baby aussprechen, ehe du es zum Weiterbrabbeln durch Nachahmung animierst. Dein Baby erlebt sich so als aktiver Gesprächspartner und es wird Freude daran finden, sich dir mitzuteilen. Und es wird sich gut fühlen, weil es von dir wahrgenommen wird. Das aktive Zuhören ist eine Fähigkeit, die Eltern gerade bei älteren Kindern gut brauchen können – natürlich wissen wir schon oft, was das Kind sagen wird und neigen dazu, seinen Satz vorzugreifen oder zu vervollständigen. Dennoch kann es zu Überraschungen führen, wenn man einfach nur mal abwartet und zuhört.  Was hat das nun alles mit Babyzeichen zu tun?

Um den ersten Geburtstag herum beginnen Kinder mit den ersten Einwortsätzen, bis zum Alter von 24 Monaten Zweiwortsätze und schließlich werden die Äußerungen nach und nach sprachlich komplexer. Im Alter von 1,5 – 2 Jahren bekommen viele Kinder regelmäßig verzweifelte Wutanfällt, weil ihnen  noch der Wortschatz fehlt um das auszudrücken, was sie gerne möchten. Wie sinnvoll sind in solchen Fällen Babyzeichen?

In speziellen Kursen zur Babyzeichensprache, Babysprache oder Babysignale lernen Eltern (und Kinder) spielerisch wichtige Begriffe des Alltags wie heiß, kalt, genug, Essen, Trinken, Buch, Katze, noch mal etc. mit einem passenden Zeichen zu versehen. Es geht ganz einfach: Wenn du z.B. etwas gemacht hast, das dein Kind zum Lachen brachte, dann frag dein Kind: „Noch mal?“ und mach das entsprechende Zeichen dazu. Nach einiger Zeit wird dein Kind die Zeichen nachmachen. Dabei müssen sich Eltern nicht an vorgegebene Zeichen halten, es können auch selbst erfundene sein. Bei der Babyzeichensprache geht es um die Unterstützung der Kommunikation, nicht um das Erlernen einer zweiten Sprache, wie das bei der Gebärdensprache der Fall wäre. Auch Bilderbuchbetrachtungen, bei Liedern, bei Reimen, am Spielplatz,  bei Spaziergängen etc.  können die Babyzeichen verwendet werden – je mehr sie in den Alltag eingebaut werden, desto mehr wird dein Kind sie annehmen und so lernen sich auszudrücken, auch, wenn die Worte dafür noch fehlen.

Natürlich kommunizieren unsere Kinder auch ohne Zeichen, die tun es durch Körpersignale, durch Gesichtsausdrücke, durch Stimmungen. Wenn wir intensiv in unseren Kindern lesen, dann klappt es auch mit der Kommunikation. Babyzeichen sind eine Möglichkeit, eine Erweiterung des ohnehin vorhandenen Repertoires an Mimik und Gestik, um über abstrakte Dinge mit seinem Kind zu kommunizieren, die es noch gar nicht ausdrücken könnte. Dein Kind lernt, dass es mit seinen Bedürfnissen ernstgenommen wird und es nicht erst bitterlich zu weinen braucht, weil das Gegenüber nicht versteht, dass es die Himbeere lieber als die Erdbeere hätte.

Liebe Grüße, Anna von welovefamily

 

Quellen:

Kelly Malottke: Zauberhafte Babyhände – Wie ganzheitliche Kommunikation mit Babyzeichensprache gelingt: – inkl. Bilderwörterbuch mit 99 Babyzeichen (DGS) und einem Vorwort von Fredrik VahleVivian König: Das große Buch der Babyzeichen: Mit Babys kommunizieren bevor sie sprechen könnenWiebke Gericke: babySignal – Mit den Händen sprechen: Spielerisch kommunizieren mit den Kleinsten

Wie Babys Begriffe lernen

Die Mimik

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