After-Baby-Body: Ich und mein Schwabbelbauch

Wenn sie zwei Promis in den sozialen Netzwerken, wer den besseren After-Baby-Body hat, dann kann ich HEUTE darüber lachen. Mein Schwabbelbauch wackelt dabei rhythmisch mit. Mich treffen solche Fotos vom perfekten After-Baby-Body nicht mehr und sie lassen mich nicht zur Tafel Schokolade greifen, um meinen Frust mit Schokolade zu besänftigen (ja, Schokolade fragt nicht, sie ist einfach da. Wie Kaffee auch). Es gab jedoch auch andere Zeiten….

 

Ich und mein Schwabbelbauch

Nicht immer konnte ich mit dieser Situation so gelassen umgehen wie heute. Hätte ich so ein Foto mit einem (vermeintlich) perfekten After-Baby-Body vor einigen Jahren gesehen, wäre ich wohl neidisch geworden und hätte mich schlecht gefühlt. Warum? Weil mein Körper so weit von diesem Ziel entfernt ist. Es gab Zeiten, da hatte ich aufgrund meines Schwabbelbauches Minderwertigkeitskomplexe. Ich ließ den gesellschaftlichen und medialen Druck nach dem perfekten, makellosen After-Baby-Body zu sehr an mich heran und konnte nicht akzeptieren, dass sich mein Körper nach jeder Schwangerschaft nicht unbedingt zum Positiven veränderte. Fast jeden Tag nach der Geburt schlüpfte ich in meine alten Hosen und versuchte, mich und meinen Schwabbelbauch da hineinzubringen. Mit Mühe und Not ging nach drei Wochen vielleicht der Knopf zu, aber an atmen und Tragekomfort war nicht zu denken. Einem schlechten Bindegewebe sei Dank, klappte es auch trotz Stillen, Rückbildung und Fitness bei mir nicht so wie bei den Promis mit dem After-Baby-Body. Oder wie bei anderen Müttern: Ich hatte das Gefühl, wirklich JEDE hat einen besseren Bauch und Körper als ich. Ob in der Stillgruppe, beim Pekip oder am Spielplatz: Meine Wahrnehmung war nur noch bauchfixiert und – das kann ich heute sagen – durch die rosarote Brille. Überall sah ich perfekt geformte und trainierte After-Baby-Bäuche und ich begann an mir zu zweifeln. Dieser Umstand, dass mein Körper hier eine Schwachstelle hat, verunsicherte mich und schlug auf mein Selbstbewusstsein. Völlig absurd, denke ich heute. Denn: Wer legt schon fest, was die Norm ist und wie ein perfekter After-Baby-Body auszusehen hat?

Die Strategie war klar: Weite Kleidung, alles kaschieren und mir immer vorreden: Der Körper braucht 9 Monate für die Schwangerschaft und auch genauso lange für die Rückbildung. Dann wird das schon. Trotz Bewegung (sicher nicht täglich), stillen und gesunder Ernährung (mit Ausnahmen) war das Ergebnis neun Monate nach der Geburt noch lange nicht so, wie vor der Schwangerschaft. Ich wurde frustrierter und immer unzufriedener. Einen Bikini anziehen? Undenkbar. Ein Nachmittag im Bad unangenehm. Und um die Sauna machte ich einen weiten Bogen. Was sollen bloß die anderen denken? Auch Herr Bart war von meinem Bauchgejammere genervt. Kaum machte ich einen großen Schritt in Richtung „Ich-mag-mich-so-wie-ich-bin“ traf ich eine befreundete Mama im Bad im superknappen Bikini, superflachen Bauch und ihren zwei Kindern. Schluck, da war mein Selbstbewusstsein dahin. Ich wollte ihn auch: Den perfekten After-Baby-Body. So ausschauen, es wäre ich nie schwanger gewesen. Absurd, oder?

Was ich nur nicht bedachte war: Es war den anderen wahrscheinlich völlig egal – niemand glotzte auf meinen Bauch oder nahm ihn so wichtig wie ich. Das habe ich mir eingebildet und eingeredet. Es gab dann einen Moment, der hat mich zum Umdenken gebracht: Herr Bart fragte, ob mir eigentlich klar ist, was ich meinen Kindern mit meinem ständigen Gejammer eigentlich vermittle. WUMM. Das saß. Er hatte damit absolut Recht: Wie sollen meine Kinder ein gesundes Verhältnis zu ihrem Körper aufbauen, wenn ich als Mutter und Vorbild ständig über ihn jammere? Nur langsam – die letzte Geburt ist nun fast 156 Wochen her und nicht erst knapp 12 – konnte ich meinen neuen „Mutter-Körper“ akzeptieren. Mit vielen Körperübungen und Selbsterfahrung habe ich es geschafft, mich so anzunehmen, wie ich bin. Mit allen Rundungen und Kurven. Ich kann nun stolz auf meinen Körper sein, der drei Mal Höchstleistungen vollbrachte. Drei Mal hatte ich einen kompletten Menschen in mir, der in mir wuchs, den ich in mir spürte. Ein unfassbares Gefühl, das mir immer noch eine Gänsehaut verursacht. Das war die „Opfer“ allemal wert – jeder Körper verändert sich irgendwann. Mir war nur nicht klar, wie schnell das dann sein wird. In meinem Kopf hatte ich immer nur ein anderes Bild von mir. Ein Bild, das eher einem medial geprägten Schönheitsideal entspricht als dem, was ich wirklich sein will bzw. bin. (Dennoch tat es auch gut Vorbilder von „außen“ zu haben, die den Körper nach der Geburt in ein anderes Bild rückten und zeigen, wie bunt die Vielfalt ist: etwa Kate Middleton, die selbstbewusst wenige Stunden nach der Geburt vor die Medien trat und ihren After-Baby-Body zeigte).

After-Baby-Body: Bitte versteckt euch nicht!

Ich will nun nicht sagen: Zeigt nicht mehr eure straffen Bäuche, das könnte andere verletzen. Jeder hat das Recht, seinen Körper so zu präsentieren, wie er/sie möchte und ich kann heute verstehen, dass man auf seinen After-Baby-Body stolz ist. Es wäre ja gelogen, würde ich nun behaupten, ich würde mich über einen straffen Bauch nicht freuen – der Unterschied ist nur: Ich habe keine Selbstzweifen mehr deswegen. Solche Fotos können Motivation wie Druck sein. Heute kann ich mich mit jedem freuen, der kurz nach der Geburt einen straffen Bauch hat und diesen auch zeigt. Zwar bin ich von diesem Ergebnis weit entfernt, doch ich habe mit meinem Bauch und After-Baby-Body Frieden geschlossen. Ich finde nur das Gezicke mittlerweile lächerlich zu sagen: Ich habe den schöneren Bauch als du. Heute weiß ich: Jeder Mensch ist einzigartig und gut so wie er ist.

Viele Promis fangen schon früh an, ihren After-Baby-Body wieder zu formen – während die einen Mütter also ihre Zeit mit Ernährungsberatern, Personal Trainern, Nannys und mehreren Stunden Sport pro Tag verbringen (allein dieser Gedanke schreckt mich ab), haben mir dazu einfach die Zeit und auch die Lust gefehlt. Ich habe mich halt darüber gefreut, meine Füße zu sehen und meine Beine wieder alleine rasieren zu können, die Schuhe alleine zu binden und fast schon elegant in eine Hose zu gleiten. Die Kleinigkeiten eben.

Heute ist mein Wunsch, dass ich mich in meinem Körper und auch After-Baby-Body wohl fühle. Nur so kann ich auch meinen Kindern zeigen, wie sie ein gesundes Verhältnis zu ihrem Körper aufbauen. Es wird die Phase der Selbstkritik und des gesellschaftlichen Drucks wohl irgendwann kommen (fast jede Frau findet etwas an sich auszusetzen), aber dann möchte ich sie unterstützen, einen Zugang zu sich zu finden und sie zu begleiten. Das habe ich auch geschafft und darauf bin ich stolz.

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