Wutzwerg: Herzlich Willkommen bei uns!

Wutzwerg wohnt bei uns

Kennst du ihn schon? Den Wutzwerg? Nein? Dann schau mal bei uns vorbei, was der Wutzwerg so alles kann und wie du am besten mit ihm zurechtkommst.

Minimi ist nun knapp 3 Jahre alt. Ich freue mich über jeden Fortschritt, den mein Kind macht. Das erste Lachen, das erste Wort, krabbeln, laufen, die ersten Sätze…..und dann gibt es Errungenschaften, auf die ich nicht verzichten möchte, aber auch nicht in dieser Intensität erleben müsste. Ich spreche vom Wutzwerg, der irgendwo da drinnen in meinem Kind wohnt und es sich nun ganz schön gemütlich gemacht hat.

Nun weiß ich aus vielen Ratgebern, Vorträgen und Büchern genügend über den Wutzwerg, wie ich mit ihm umgehen kann und was mein Kind dann braucht, um sich von ihm zu befreien. In der Theorie. Da klingt ja alles so leicht. Aber unser Wutzwerg ist ein besonderer, es ist nämlich IHR Wutzwerg. Der ist nicht wie andere und hält nichts von gut gemeinten Ratschlägen.

„Ach, das ist eine Phase, sie will nur ihre Grenze austesten“ erklärte mir meine Pädagogik-Freundin, während der Wutzwerg über mein Kind herfiel und es dazu brachte, sich brüllend auf den Boden zu werfen. Vor der Schule und den Augen vieler Eltern. P.E.I.N.L.I.C.H.
Mitleidige und verständnisvolle Blicke trafen auf Empörung und Kopfschütteln über diesen kleinen Menschen, der seinen Gefühlen ausgeliefert am Boden schrie.

Eigentlich war aber alles normal und unser Nachmittag startete ohne Vorkommnisse. Hätte ich doch nur daran gedacht, dass auch mal der Wutzwerg von seinem Mittagsschlaf erwacht. Im Kindergarten bekam sie für ihre gesammelten Blätter noch ein kleines Sackerl, damit sie diese leichter tragen kann. Sie strahlte und sammelte eifrig Blätter weiter, bis kein Platz mehr war. Die Welt war in Ordnung – zumindest kurz und ich ertappte mich schon bei dem Gedanken, es könne ein ruhiger Nachmittag werden. Denkste. Dann bat sie um einen Apfel, den ich natürlich mit hatte. Das ist so „unser Ding“ und ihr ganz wichtig. Nichts war von dem Wutzwerg zu sehen. Und plötzlich war er da. Sie hätte so gerne noch einen zweiten Apfel gehabt, ich hatte aber leider keinen mehr mit. Wie konnte ich auch nicht daran denken, dass beide Hände sich einen Apfel zum Halten wünschen? Ein Blick in meine apfelleere Tasche genügte und der Wutzwerg sprang sie an. „Vielleicht war er ja in meiner Tasche versteckt?“ überlegte ich kurz. Obwohl sie sah, dass kein Apfel mehr in meiner Tasche war, wollte sie einen. Da halfen keine rationalen Argumente oder erneute Versuche, sie in meine Tasche blicken zu lassen. J.E.T.Z.T. Mama muss doch Superkräfte haben, um einen zweiten Apfel herzuzaubern, oder? Das hat Stadtmama in ihrer Aufzählung noch vergessen. Mein Angebot, sie könne sich zu Hause einen nehmen, wurde abgelehnt. Sie stampfte mit den Füßen, trommelte gegen meine (für sie wahrscheinlich blöde) Tasche und brüllte, warum ich keinen Apfelbaum in meiner Tasche habe. Ja, warum denn auch nicht? Hätte ich ja selber drauf kommen können….

 

Was tun mit dem Wutzwerg?

„Lass sie ausspinnen, so wird sie lernen, dass sie damit nicht durchkommt.“ Das wollte ich aber nicht. Ich wollte sie mit ihren Gefühlen nicht alleine lassen. Sie war frustriert, hatte einen langen Tag im Kindergarten mit vielen Eindrücken und Reizen hinter sich, schlief mal wieder nicht und war jetzt einfach enttäuscht, dass ich keinen zweiten Apfel für sie mit hatte. Irgendwie ist der Unmut verständlich, aber die Intensität nicht immer so ganz nachvollziehbar.

Ich beugte mich also zu ihr hinunter, berührte sie, nahm ihre Hände, streichelte sie sanft. Sie blickte mich mit voller Wut und Enttäuschung an, schlug meine Hand weg. „Lass mir Ruhe“ war eine klare Ansage, während ihr Weinen zu einem Jammern wurde. „Wenn du mich brauchst, ich bin da.“ sagte ich ihr und respektierte ihren Wunsch nach Ruhe. Es wurde nicht unbedingt leiser, aber ich konnte ihr den Schmerz und die Wut einfach nicht abnehmen.

Und es war mir peinlich. Dazu stehe ich. Niemand möchte die Mutter sein, deren Kind sich gerade in den Augen anderer aufführt wie ein unerzogenes Biest. Mir waren die Blicke der anderen unangenehm, die lieb gemeinten Ratschläge der Freundin, das alles störte. Nach einer gefühlten Ewigkeit (wahrscheinlich waren es nur fünf Minuten) schaute mich Minimi an. Sichtlich gelöst und erleichtert, dass da mal so einiges rauskam. Sie stand auf, streckte mir ihre Hände entgegen und meinte „Mama geht wieder“. Ich nahm sie hoch, sie kuschelte sich an mich und seufzte. Sie war entspannt, es tat ihr sichtlich gut, ihre ganze Wut auf den fehlenden Apfel und wahrscheinlich noch vieles andere rauszubrüllen. Der Wutzwerg hat sie dabei unterstützt.

Auch wenn er manchmal anstrengend ist, hat der Wutzwerg auch seine guten Eigenschaften. Er ist befreiend. Während Erwachsene darüber sprechen, vielleicht mehrmals und ein Thema zerreden, schreit es Minimi raus, weil es nicht anders geht. Lustig ist es nicht immer mit diesem Wutzwerg und ich gebe zu, ich halte ihn von einem Auszug nicht auf, aber ich glaube, ein wenig werden wir noch mit ihm zu tun haben. Und dann versuche ich immer, das Positive dabei zu sehen.

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