Wackelzahnpubertät – meine Kinder reden ständig zurück

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„Meine zwei Kids, der Bub 7 Jahre alt und das Mädchen 6, schnattern momentan auf alles was ich sage richtig toll zurück. Schlimm wird es, wenn sich die beiden gegen mich verbünden. Am Wochenende ist manchmal Ausnahmezustand, denn da ist die Rückendeckung Papa zu Hause. Hat wer eine Idee, wie ich mich heil aus dieser Phase der Kinder raus begebe. Nur keppeln und schimpfen will ich auch nicht – ich geh dann halt öfters Rauchen vor die Tür, wenn‘s mir zu viel wird. Danke schon jetzt für die Antwort.

 

Was du beschreibst, erinnert mich sehr an die „Wackelzahnpubertät“. Hast du davon schon etwas gehört? Die Zeit des Zahnwechsels kann eine harte Probe für die Eltern werden. Deine Kinder kommen nun in einen neuen Lebensabschnitt, der mit vielen tiefgreifenden Entwicklungsschritten begleitet wird. Wenn die Zähne wackeln, verändern die Kinder für Eltern aus unerklärlichen Gründen ihr Verhalten. Alles reden, schimpfen, erklären, verbieten oder kuscheln hilft da nichts. So wie du beschrieben hast. Nach Rudolf Steiner erfolgt die Entwicklung des Menschen im Abstand von sieben aufeinanderfolgenden Jahren. Der Schritt um das siebte Lebensjahr herum beschreibt er als „Freiwerden des Ätherleibes“, eine Art zweite Geburt. Der Zahnwechsel ist ein äußeres Anzeichen für diesen Wechsel. Die Mutterhülle, die bisher Schutz geboten hat, wird nun aufgebrochen und das Kind sucht eigene Herausforderungen, an denen die Kinder wachsen können. So viel erst einmal zur Theorie. (Dazu gibt es übrigens ein tolles Buch!)

Bei deiner Frage ist mir aufgefallen, dass du von der Rückendeckung vom Papa schreibst. Da kann ich mir nun wenig darunter vorstellen. Meinst du, dass die Kinder euch gegeneinander ausspielen?

Dass sich Geschwister gegen ihre Eltern verbünden, das ist vollkommen normal und ein wesentlicher Bestandteil der Geschwisterbeziehung. Eigentlich ein positives Zeichen. Dagegen wirst du nicht viel machen können – dieses Verhalten kommt noch aus den unbeobachteten Kinderbanden, wo Kinder sich selbst organisiert haben. Da haben sich Kinder miteinander verbündet.

Deine Frage ist ja, wie du heil aus dieser Situation wieder herauskommst. Der erste tröstliche Tipp: Wenn die Wackelzähne wieder weg sind, wird es besser. Deine Kinder machen gerade einen ganz intensiven Entwicklungsschritt durch. Zweitens: Deine Kinder sagen jetzt selbstbestimmt Nein und machen nur, was sie wollen. Ist es so in etwa richtig zusammengefasst? Dann freu dich darüber, denn in ein paar Jahren wirst du darüber froh sein, wenn sie selbstbestimmt „Nein“ zu Drogen und Alkohol sagen. Bestärke sie darin!

 

Ein paar Tipps möchte ich dir noch mit auf den Weg geben:

  1. Verwende möglichst viele Ich-Sätze und signalisiere so, wie du dich fühlst. Sprich über deine Gefühle, damit deine Kinder sich in dich hineinversetzen können.
  2. Bleib mit ihnen in Kontakt, auch, wenn sie sich gegen dich verbünden.
  3. Vielleicht hilft es euch, gemeinsam ein Plakat mit Familienregeln aufzustellen, die gemeinsam festgelegt werden. Kinder möchten gerne mitbestimmen.
  4. Gönn dir Auszeiten vom Alltag, lass dich verwöhnen, triff dich mit einer Freundin oder gönn dir einen freien Abend mit deinem Mann.
  5. Sag deinen Kindern jeden Tag, dass du sie lieb hast. Sie müssen wissen, dass du sie nicht „ablehnst“ (das hätte ich auch nicht so verstanden), sondern dass du sie liebst.

Alles Liebe, deine Anna

 

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