Studie: Antibiotika verringern die Vorteile der Muttermilch

Forscher sind sich einig: Babys profitieren davon, gestillt zu werden, denn Stillen hat viele gesundheitliche Vorteile für die gesunde Entwicklung von Kindern. Finnische Wissenschaftler berichten in der Zeitschrift „JAMA Pediatrics“ über die Einnahme von Antibiotika im Säuglingsalter und seine Auswirkungen auf das Baby. Die Studie kam zu dem Ergebnis, dass die Antibiotika die Vorteile der Muttermilch für das Baby verringern.

Ausgangslage der Forschung

Muttermilch gilt als die beste Ernährung für Säuglinge. Sie passt sich dem individuellen Entwicklungsstand an, reagiert auf Infekte und versorgt das Baby mit allem, was es für seine Entwicklung braucht. Babys, die mehrere Monate lang voll gestillt werden, bekommen in späteren Jahren weniger Infekte und neigen weniger zu Übergewicht. Die Auswirkungen des Stillens sind auch anhand des BMIs ablesbar: Der BMI gestillter Kinder liegt um 0,1 Einheiten unter jenem der nicht gestillten Kinder. Nicht nur, aber auch aus diesen Gründen empfehlen Forscher und Ernährungsexperten, dass Kinder mindestens sechs Monate und noch weit darüber hinaus voll gestillt werden sollten – sofern es der Mutter möglich ist. Stillschwierigkeiten, ungenügende Unterstützung und Information oder eine frühe Rückkehr ins Berufsleben führen dazu, dass viele Kinder kürzer oder auch gar nicht gestillt werden.

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Viele positive Effekte und Vorteile der Muttermilch sind auf den Einfluss von Bifidobakterien und weiteren Bestandteilen auf die Darmflora zu erklären. Die Forscher haben untersucht, wie es sich auswirkt, wenn das Kind während der Stillzeit Antibiotika einnehmen musste. Im Zuge der Forschung analysierten die Wissenschaftler den Zusammenhang mit einem Infektions- und Übergewichtsrisiko bei Kindern und stellten dabei fest, dass durch Antibiotika im Babyalter den Nutzen des Stillens schmälert bzw. die Vorteile weitgehend verloren gehen.  Die Forscher konnten nachweisen, dass jene Kinder, die auf Antibiotika angewiesen waren, später häufiger an Infekten litten und im Durchschnitt dicker waren als jene Kinder, die keine Medikamente nehmen mussten. Für ihre Studie wurden 226 Kinder im Alter von zwei bis sechs Jahren untersucht, die alle gestillt wurden und sich darin unterschieden, ob sie Antibiotika nehmen mussten oder nicht.  113 Kinder erhielten im Säuglingsalter Antibiotika, die anderen nicht. Zudem wurden bei 42 Kindern in regelmäßigen Abständen Stuhlproben analysiert, um die Vielfalt der Darmflora zu untersuchen.

Das Gleichgewicht der Darmflora aus Gallensäure, Bakterien und Nahrungsbestandteilen ist in den ersten Lebensmonaten eines Babys leicht zu stören. Zudem zeigen die Stuhlproben der 42 Kinder, dass Kinder mit einer kurzen Stilldauer von 0-6 Monaten ohne dem Einsatz von Antibiotika und Kindern mit einer längeren Stilldauer von 8-16 Monaten und einem frühen Einsatz von Antibiotika eine verringerte Fülle bestimmter Darmbakterien festgestellt wurde – Kinder mit langer Stilldauer und ohne Antibiotika zeigten mehr unterschiedliche Darmbakterien. Die Stuhlproben der Kinder bestätigten diese Annahme, denn anders konnten sich die Forscher nicht erklären, dass die positiven Auswirkungen des Stillens so stark beeinträchtigt wurden.

Zwar gibt es Krankheiten, die eine Antibiotika-Gabe benötigen, doch um die Darmflora nicht zu zerstören und die Vorteile des Stillens nicht aufzuheben, sollte die Antibiotikaverschreibung im Kleinkindalter kritisch gesehen werden. Wenn unbedingt Antibiotika notwendig sind, dann ein spezifisches und kein Breitspektrum-Medikament empfehlen Kinderärzte.

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