Natürliche Geburt nach Kaiserschnitt: Ängste und Vorbereitung

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Natürliche Geburt nach Kaiserschnitt – geht das?

Die Kaiserschnittrate liegt in Österreich bei knapp 29% und ist weltweit die häufigste Operation. Die Weltgesundheitsorganisation, WHO, empfehlt eine Kaiserschnittrate von 15%. Österreich liegt somit weit über dieser Vorgabe. Verschiedene absolute medizinische Gründe lassen Ärzte einen Kaiserschnitt machen, wie zum Beispiel eine Querlage des Kindes oder die Lage der Plazenta vor dem Gebärmutterhals (plazenta praevia). Dennoch wird die Mehrzahl der Schnittentbindungen nicht aus absoluten, sondern aus relativen Indikatoren gemacht. Ein vorrangehender Kaiserschnitt gilt als einer dieser relativen Gründe, aus denen oft bei der nächsten Geburt WIEDER ein Kaiserschnitt gemacht wird.

VBAC = Vaginal Birth after Cesarean

Trotzdem wünschen sich viele Frauen, gerade nach einem Kaiserschnitt,  ihr nächstes Kind auf natürlichem Wege auf die Welt zu bringen. So auch Sabine, Mutter von zwei Buben. Ihre erste Geburt war ein Kaiserschnitt, welcher sie noch Jahre danach zum Grübeln und Nachdenken gebracht hat. Als sie wieder schwanger wurde, war für sie klar, dass sie wieder eine natürliche Spontangeburt anstrebt und sich dementsprechend darauf vorbereitet. Ihr zweiter Sohn kam dann auch vaginal zur Welt (VBAC = Vaginal Birth after Cesarean). Wie die Einstimmung auf die zweite Geburt, die Erfahrung mit Krankenhaus und Hebammen und die Geburt selber waren, verrät sie uns in einem Interview. Ihre Geschichte soll Frauen stark machen, die sich nach einem Kaiserschnitt von Herzen wünschen natürlich zu entbinden und diesbezüglich Sorgen, Ängste oder Bedenken haben.

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Sabine von Sabsalla

Erfahrungen mit VBAC

  • Herzlichen Glückwunsch erstmal. Du hast dein 2. Baby bekommen. Wie war die Geburt in 3 Worten?

Vielen Dank für die Glückwünsche. Ich freue mich, dass wir dieses Interview führen. In 3 Worten war die Geburt: Anstrengend. Intensiv. Wundervoll.

 

  • Die Geburt deines ersten Sohnes war ein Kaiserschnitt, die zweite nun eine Vaginalgeburt (VBAC). Wie bist du das ganze Thema VBAC angegangen bzw. war für dich von Anfang an klar, dass du eine natürliche Geburt versuchen willst?

Es war für mich von Anfang an klar, dass ich WIEDER eine vaginale Geburt versuchen möchte. Ich wollte das schon beim ersten Mal. Hat aber leider nicht funktioniert. Aus medizinischen Gründen, die für mich aber ok waren und jetzt beim zweiten Mal wollte ich, wenn alles passt, wieder versuchen vaginal zu entbinden, egal ob ich vorher einen Kaiserschnitt hatte oder nicht. Ich bin aber etwas vorsichtiger an das Thema herangegangen, habe mir ein Buch darüber gekauft ( „Meine Wunschgeburt.“ Von Ute Taschner und Kathrin Scheck.), wo ganz genau beschrieben wird, wie hoch eigentlich die Risiken sind nach einem Kaiserschnitt vaginal zu entbinden, worauf man achten sollte, Geburtsgeschichten sind glaube ich auch drin und das hat mich nur noch bestärkt es vaginal zu versuchen, weil es gar nicht so viel gefährlicher ist vaginal zu entbinden, wenn man vorher einen Kaiserschnitt hatte. Und so war das. Ich habe mir also das Buch gekauft, habe mich viel informiert und bin somit gestärkt wieder in das Thema reingegangen, um wieder eine Vaginalgeburt zu versuchen. Und diesmal hats funktioniert!

 

  • Gibt es viele Hebammen, die VBACs begleiten?

Ich glaube schon, dass es viele Hebammen gibt, die eine Vaginalgeburt nach Kaiserschnitt begleiten. Aber NUR im Krankenhaus. Es gibt nur ganz wenige, die eine Hausgeburt nach einem Kaiserschnitt begleiten. Weil es einfach nicht sehr gerne gesehen wird. Ich glaube nicht, dass es schwierig ist eine Hebamme zu finden, die eine VBAC im Spital begleitet.

 

  • Wie ist das Krankenhaus mit deinem Vorhaben umgegangen? Ist es tatsächlich viel risikoreicher vaginal zu entbinden nach einem Kaiserschnitt?

Für mich persönlich ist und war es das nicht, aber die genauen Zahlen stehen in dem oben genannten Buch drin. Letztlich geht es hauptsächlich um die Sorge, dass eine Uterusruptur (Riss der Gebärmutter) durch die Anstrengung bei der Geburt passieren könnte. Die Wahrscheinlichkeit, dass dies passiert ist laut Statistiken, nach einem Kaiserschnitt höher als nach einer Vaginalgeburt, das stimmt. ABER nicht viel. Ja es klingt natürlich „schlimm“, wenn man hört, dass das Risiko doppelt so hoch ist nach einem Kaiserschnitt. Wenn man aber von einer 1%igen Wahrscheinlichkeit ausgeht und bei Vaginalgeburten von 0,5% ist das wieder nicht so viel 😊. Aber das muss jeder für sich selbst entscheiden, ob es sich richtig anfühlt oder eher Angst macht. Im Krankenhaus musste ich vor der Geburt einen Revers unterschreiben, dass ich mir der Risiken bewusst und trotzdem einverstanden bin. Das Krankenhaus hat auch klargestellt, dass sie nicht so lange zuwarten, wenn irgendetwas sein sollte, schneller ein Kaiserschnitt gemacht wird, als wenn ich vorher keinen Kaiserschnitt gehabt hätte. Dadurch, dass ich mit einer sehr erfahrenen Hebamme ins Krankenhaus gegangen bin, die auch das volle Vertrauen der dortigen Ärzteschaft hat, habe ich mich autonom gefühlt und nichts von irgendeiner Panik mitbekommen. Ich, mein Partner und die Hebamme waren auch die gesamte Geburt alleine und es war währenddessen nie ein Arzt anwesend. Die Hebamme hat dafür gesorgt, dass wir uns gut aufgehoben fühlen.

 

  • Hattest du Angst vor einer Uterus-Ruptur? Und: empfindest du die Einstellung der Ärztinnen/Spitäler übertrieben?

Ich persönlich hatte so gut wie keine Angst vor einer Uterus-Ruptur, weil die Chancen dafür wirklich nicht viel höher sind, als wie nach einer Vaginalgeburt. Wenn man vaginal entbindet, macht man sich über dieses Risiko ja so gut wie keine Sorgen. Daher habe ich mir auch keine gemacht. Bei mir waren es andere Gründe, warum ich mich mit eigener Hebamme und im Krankenhaus am besten gefühlt habe. Wir haben vorher auch eine Hebamme kennen gelernt, die eine Hausgeburt begleitet hätte. Das hat dann aber für uns nicht perfekt gepasst. Wir wollten lieber ambulant zur Geburt ins Spital mit eigener Hebamme und danach zu Hause betreut werden. Ich glaube, Ärzte sehen jeden Tag sehr viele Komplikationen im Krankenhaus und was alles passieren kann. Deshalb verstehe ich ihre Angst. Im Krankenhaus wird ja prinzipiell viel schneller interveniert als bei einer Hausgeburt. Spitäler müssen halt abgesichert sein, WENN etwas passiert. Da geht es sehr viel um Ab- und Versicherung gegen Klagen. Übertrieben finde ich es nicht. Es stört mich auch nicht, dass ich einen Revers unterschreiben muss, aber natürlich ist das für viele Frauen eine große Verunsicherung. Das finde ich schade. Dass viele Frauen und vor allem auch deren Männer, dadurch entmutigt werden es vaginal zu versuchen, obwohl sie den großen Wunsch hätten. Weil vor jeder Operation im Krankenhaus muss ich ja auch etwas unterschreiben.

 

  • Wie war die erste im Vergleich zur 2. Geburt?

Die Geburt an sich beim ersten Mal lässt sich sehr schwer vergleichen, weil alles sehr schnell ging. Ich hatte einen Blasensprung mit grünlichem Fruchtwasser. Dann wurde ich ins Krankenhaus gebracht und da das Fruchtwasser schlecht aussah und es eine Beckenendlage war, haben Arzt und Hebamme entschieden, dass wir zum Wohl des Kindes einen Kaiserschnitt machen. Es ging Schlag auf Schlag. Blasensprung. Wehen. Rettung. Fruchtwasser. Kaiserschnitt. Und das Kind war da. Es war einfach überfordernd, weil es so schnell ging. Den Kaiserschnitt an sich fand ich nicht sehr schlimm, weil ich mich vorher schon damit auseinandergesetzt habe, weil es eben bei Beckenendlage öfter in einem Kaiserschnitt enden kann. Bei der zweiten Geburt, meiner natürlichen Geburt, war es dann umso länger 😊. Aber insgesamt schöner. Es ist wirklich ganz schwierig zu vergleichen. Ob man im OP liegt und das Kind herausgeschnitten wird. Ich habe mein erstes Kind auch nicht gleich bei mir gehabt und ihn erst sehr spät bekommen. Und bei der natürlichen Geburt war es ganz anders. Ich habe halt alles selber gemacht. Der Körper konnte ganz natürlich arbeiten. Aber ich glaube auch, dass ein Kaiserschnitt sehr schön gestaltet werden kann, wenn die Umstände passen. Ich finde es gut, dass Frauen selber entscheiden können, ob sie vaginal entbinden oder einen Kaiserschnitt machen wollen.

 

  • Was würdest du einer Schwangeren raten, die es gerne nach einem vorausgegangenen Kaiserschnitt versuchen möchte vaginal zu entbinden?

Ich würde einer Schwangeren raten, dass wenn sie es wirklich möchte, sie sich nicht entmutigen lässt und dass sie sich am besten eine eigene Hebamme sucht. Nicht dass jeder eine eigene Hebamme braucht. Aber es hilft schon, dass die Hebamme einen fachkundig und emotional während der gesamten Schwangerschaft, Geburt und danach betreut. Sie gibt einem auch Sicherheit. Ich weiß nicht, ob ich die natürliche Geburt nach dem Kaiserschnitt ohne meine Hebamme geschafft hätte.  Deswegen würde ich eine eigene Hebamme empfehlen. Ansonsten kann man sich im Internet gut informieren und das erwähnte Buch ist auch toll. Vor allem auch wenn die eigenen Ängste und Bedenken doch recht groß sind. Da kann man nachlesen, dass es eigentlich nicht so „gefährlich“ ist nach einem Kaiserschnitt vaginal zu entbinden. Es ist auch wichtig, sich das richtige Krankenhaus zu suchen. Und vor allem auch Gespräche mit Personen zu meiden, die einen das Thema VBAC betreffend runterziehen, sondern eher mit Menschen umgeben, die einen bestärken. Also: gutes Krankenhaus, gute Hebamme, sich gut informieren und bestärken. Ob es dann klappt oder nicht, weiß man im Vorhinein eh nicht, daher kann man es auf jeden Fall mal probieren 😊. Bei mir hat es geklappt und ich kann es nur empfehlen!

 

Wenn ihr Lust habt noch mehr von und über Sabine zu lesen. Sie führt einen lustigen und sehr bestärkenden Blog auf Facebook namens „Sabsalla – ehrlich, unverblümte Weiberg´schichten“.

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