Mama-Sein verbindet

Hinter jeder

„Hallo, ich bin die Mama von…“ so begann ich schon etliche Vorstellungsrunden: In der Stillgruppe, beim Krabbeltreff, beim Elternabend im Kindergarten und bei der Infoveranstaltung in der Schule, am Spielplatz, beim Kinderarzt…….

Aber warum?

Warum verstecken sich so viele Mütter (mich eingeschlossen) hinter dem Namen ihres Kind?

Weil das Kind über allem steht?

Weil einem das Kind wichtiger ist als man selbst?

Ich weiß es nicht. Ich habe irgendwann damit angefangen, mich quasi von einem unausgesprochenen Ritual anstecken lassen und mir nichts dabei gedacht. Bis mein Smartphone voll von Kontakten wie „Mama von…..“ ist. Sagt die gespeicherte „Mama von…“ dann aber ihren richtigen Namen z.B. Rica, dann muss ich nachfragen, wie das Kind heißt. Wie war mir das peinlich. Ich hatte keine Ahnung, mit wem ich mich da seit Wochen am Spielplatz treffe.

Immer, wenn ich mich mit „Mama von…“ vorstelle, muss ich an einen Rat von Michaela Sauer denken, den sie in ihrem Buch „Ein Kind ändert alles“ schreibt: „Such dir einen Namen für dein Kind, der dir gefällt, denn du bist die nächsten Jahre immer die Mama von.“ Natürlich mit einem Augenzwinkern versteht sich. Aber Michaela Sauer hat damit nicht so Unrecht. Oder?

Also fange ich von vorne an:

Hallo ich bin Anna, Anita, Barbara, Brigitte, Christina, Claudia, Dors, Daniela, Elisabeth, Eva, Franziska, Fanni, Gabi, Hannah, Henriette, Iris, Isabella, Jasmin, Johanna, Katharina, Kerstin, Karo, Karin, Judith, Julia, Larissa, Liane, Margit, Marlis, Michaela, Nora, Nicole, Natasche, Pamela, Renate, Rosmarie, Sandra, Sabine, Tina, Theresa, Ursula, Ulli, Verena, Veronika, Walpurga……..und die Mama von …… wem auch immer. Ist das so schwer? Nein. Aber es macht einen großen Unterschied. Zumindest für mich. Auch, wenn ich ein schlechtes Namensgedächtnis habe und vielleicht noch einmal nachfragen muss, wie dein Name ist.

Stehen wir doch zu uns!

Wir hätten uns in einem Meeting oder bei einem Vorstellungsgespräch ja auch nicht vorgestellt als „Hallo, ich bin die Tochter von….“. (Hilft wahrscheinlich nur bei entsprechendem Vitamin B 🙂 )

Ich möchte nicht nur die „Mama von…“ sein und ich möchte auch nicht nur „Mamas von…“ kennen.

Ich möchte dich kennen. Jede Mama ist immer noch eine eigenständige Person und ich möchte mir deinen Namen merken, ehrlich.

Ich bemühe mich. (Das kann ich versprechen.)

Ich interessiere mich dafür, was du denkst, was du sagst, was du erlebst, welche Fragen du hast, was dich bewegt.

Und auch, wie du heißt.

Ich mag es, wenn ich den Namen meines Gegenübers kenne, das auch sehr intime und persönliche Dinge von mir weiß, die ich sonst wohl keiner flüchtigen Bekanntschaft erzählen möchte. Doch in Spielgruppen geht das, in Spielgruppen „macht man das“.

Wir sprechen über Geburtserlebnisse, wunde Brustwarzen, dem Harnverlust beim Husten und Niesen, den Wochenfluss, den ersten Sex nach der Geburt, dem Dammriss und breiten unser Seelenleben voreinander aus. Wir sprechen über Stillprobleme, über Beschwerden, über Herausforderungen am Mama-Sein, wir lästern über die „Papas von….“

 

Du und ich, wir haben eines gemeinsam: Wir haben Kinder. Das verbindet uns. Das Mama-Sein bringt Menschen miteinander in Verbindung, die man ohne Kinder vielleicht nie kennengelernt hätte. Man findet Verbündete, kurzzeitig Seelenverwandte und Wegbegleiter, die eine wichtige Stütze sein können. Das sollte uns so viel Wert sein, dass wir auch den Namen voneinander kennen.

Vergiss nie: Hinter jeder „Mama von…“ steckt eine großartige Frau. Und wenn bei der nächsten Vorstellrunde wieder eine Mama ihren Namen verheimlicht, dann frag nach. Ich kann versprechen, es tut gut als Mama auch noch als Frau und eigenständige Person wahrgenommen zu werden, wenn sich doch sonst schon die ganze Aufmerksamkeit auf dieses wundervolle kleine Wesen verlagert.

 

Runzelfüßchen schreibt in ihrem Artikel von einem weiteren Phänomen: Auch für die anderen Kindern sind wir nur die „Mama von“, denn wir entscheiden, ob das Kind noch auf den Spielplatz darf. So habe ich das noch nie gesehen…..

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