Zufriedenheit: Was ist bloß los mit uns?

In meinem Leben war ich schon einige Male in fernöstlichen Ländern. Also so an die 7 Mal. Ein Land hat mich sehr beeinflusst. Mein ganzes Leben verändert. Nicht dass ich in einen Ashram gegangen wäre, oder zur Vegetariern geworden wäre, oder sogar eine Yoga-Lehrerin. In einen Ashram wollte ich nie – hat mich nicht gereizt. Vegetarierin bin ich fast – ich esse einfach gerne mehr Gemüse als Fleisch. Yoga Lehrerin wollte ich immer wieder werden. Und mit Yoga habe ich mich die letzten Jahre immer wieder beschäftigt. Ich habe eine Lehrerin oder einen Lehrer gesucht, wollte immer regelmäßig Yoga machen und erst jetzt ist mir dies gelungen. Eine Lehrerin werde ich nie – bin hier zu ungeduldig und ich genieße es lieber selbst als zu unterrichten.

Doch um das geht es jetzt im Moment nicht. Ich will woanders hin.

 

Ich war eine Tussi

Als ich begann in fernöstliche Länder zu reisen, da musste ich immer vor einer Reise schon das Hotel gebucht wissen. Ohne dieser Sicherheit ging es nicht. Nach vielen Reisen ist mir das jetzt egal. Der Rucksack-Tourismus hat mich gepackt. Wenn ich ganz ehrlich zu mir selbst bin, dann war ich vor meinen Reisen ein wenig so in der Art „eine Tussi“. Alles musste perfekt sein. Perfekt organisiert, perfekt ohne die geringste Unklarheit. Das Land hat mich viel gelehrt. Die Reisen haben mich meinen Horizont erweitern lassen. Und ich musste 42 Jahre alt werden um mit dem Reisen zu beginnen.

Eine Sache habe ich von diesem Land bleibend mitgenommen:

Immer wieder, wenn es die Zeit erlaubt, dann fahre ich mit einer meiner Töchter nach Wien. Einfach eines der Mädels und ich, wir genießen diese „Aus-Zeit“ sehr. Wir fahren mit dem Zug. Auch das hab ich von meinen Reisen mitgenommen. Zug fahren.

Wieder einmal waren wir, diesmal war’s Quaxi – die mittlere Tochter –  und ich in Wien. Wir liefen gerade die Stiegen zur U-Bahn hinunter. Quaxi schnell mit ihren jungen Füßen und ich – natürlich auch „schnell“ so wie ich’s halt konnte.

Es war ein Wochentag, Dienstag oder Mittwoch. Viele Leute in den Gängen. Stickige Gerüche und dumpfe Stimmung.

 

Uns geht’s gut hier – könnte man glauben?

Da hab ich genauer geschaut und auch Quaxi dazu animiert. „Schau mal, schau dir die Gesichter der Menschen an, bei wie vielen findest du ein fröhliches Gesicht?“ Ich hab dann die Erwartungen „etwas“ nach unten geschraubt. „Bei wie vielen findest Du ein Gesicht, wo der Mund nicht nach unten hängt?“

Von 20 Menschen konnten wir gerade mal eine Person finden. Die anderen Menschen hasteten an uns vorbei mit verbissenen Gesichtern, unfreundlich, die Mundwinkel oft nach unten gezogen. Starre Blicke.

Es war März. Anfang März. Also bei uns noch Winter und kalt. Genau so kalt war es hier in den Gängen, auf den Rolltreppen und in den Warteschlangen der U-Bahn. Auch die Kleidung war der Stimmung angeglichen. Bestenfalls grau. Die meisten Menschen hatten sich in schwarze Kleidung gehüllt. Ganz wenige trugen braun, oder wenn dann blau. Schwarz überwog. Dunkle Kleidung und dunkle Stimmung.

Warum nicht dem Winter, der grauen Zeit mit freundlichen lebendigen Farben begegnen, die unsere Stimmung erhellen, die uns im grau der Winterzeit Farbe auf die Seele malen? Klingt jetzt esoterisch – ist aber Tatsache, dass fröhliche Farben die Stimmung auch erheben.

Keine Gespräche unter den Menschen. Jeder blickte starr vor sich hin und natürlich auch oft ins Handy. Kommunikation null. Also Kommunikation mit anderen unbekannten Menschen  hier in der U-Bahn Minus Null. Kommunikation mit dem Handy, das schon.

Uns geht’s gut hier – könnte man glauben? Die meisten von uns haben genug zu Essen. Sicher gibt es hier auch viele Krisen: Beziehungen, Probleme mit den Kindern, mit den Lehrer/Innen. Unangenehme Kolleg/Innen im Beruf, Wohnungsprobleme. Und einige Menschen haben auch hier nicht genug zu Essen. Mindestpensionist/Innen oder Alleinerzieher/Innen oder Menschen die das Leben aus der Bahn geworfen hat.

Natürlich das ist nicht zu verleugnen. Klar.

Aber warum sind wir hier so verbittert, so starr, so wenig an dem Gegenüber interessiert? So unzufrieden, immer missmutig, schlecht gelaunt?

In der U-Bahn an diesem Tag wurde Quaxi und mir das so richtig bewusst! Ein einziger Mensch unter vielen, der zufrieden dreinschaute.

 

Zufriedenheit als höchstes Gut

Auf meinen Reisen – und jetzt komme ich wieder auf meine Einleitung zurück –  haben die Menschen zum größten Teil sehr wenig. Ziemlich wenig. Da ist ein Bleistift für ein Kind wertvoll. Doch eines haben sie viel mehr als wir – Zufriedenheit. Sie helfen sich selbstverständlich. Sie nehmen Anteil am anderen – plaudern zum Beispiel in den Zügen miteinander.

Mein Zahnarzt hat einmal gemeint: „Solche armen Menschen dort in dem Land“. Meine Antwort – mit all den Eindrücken die ich von meinen Reisen mit mir genommen hatte: „Ich meine, wir sind ärmer, wir hier mit unserem Hasten, mit unserem Stress mit unserem nicht genug haben und nicht genug sein“.

Wir waren jetzt schon viele Jahre nicht mehr verreist. Ich brauch auch nicht mehr hin, die Zeit ist für mich vorbei, nur ich frag mich – was fehlt uns hier?

 

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