Mama im Krankenhaus- die Operation war nebensächlich

Krankenhaus

Mama Mia: Ein kleiner Routine-Eingriff zwingt mich ins Krankenhaus. Meine erste Vollnarkose. Ich war außer Gefecht gesetzt. Aber meine Bettnachbarin war der absolute Burner.

Und so ist es im Krankenhaus

Ich bin ja nicht gerne im Krankenhaus. Bisher war ich auch nur zu den Geburten meiner beiden Kinder im Krankenhaus. Ich hasse es mein Zimmer mit fremden Menschen teilen zu müssen, die wohl möglich noch ganz viel Besuch bekommen. Ein Graus für mich. Und ich weiß doch immer alles besser und kann meistens nicht meine Klappe halten.
Aber es musste sein. Ein kleiner harmloser Eingriff. Ich entschied mich extra für einkleines Krankenhaus.  Nach dem Vorgespräch war ich guter Dinge, reine Routine-OP, zwei Tage danach wieder nach Hause.

Der Tag der Aufnahme- ich lerne meine Bettnachbarin kennen

Meine liebe Nachbarin fuhr mich in das Krankenhaus. Ich war so nervös und angespannt. Ich wurde freundlich von den Schwestern in der Klinik empfangen, was ja heutzutage auch nicht mehr selbstverständlich ist. Die nette Schwester zeigte mir mein Zimmer und bereitete mich vor. Meine Bettnachbarin im Krankenhaus war der absolute Oberknaller. Anfang 40, so breit wie hoch mit fettiger Liegeglatze. Dauernd stopfte sie irgendwelche Süßigkeiten in sich hinein. Sie redete ohne Punkt und Komma nachdem ich mich vorgestellt hatte. Dabei wollte ich doch eigentlich nur meine Ruhe haben.

Sie saß den ganzen Vormittag auf der Bettkante mit ihrem Smartphone in der Hand. Und telefonierte und tippte in einer Tour. Freundlicherweise hielt sie mich die ganze Zeit komplett auf dem Laufenden. Wen sie da gerade in die Ohren gebrüllt hatte, oder in welche WhatsApp-Gruppe sie gerade geschrieben hatte. Als erstes versorgte sie ihren gesamten Verwandtenkreis mit den neuesten Infos. Aber nicht leise, ich bekam jedes kleine Detail mit.

  • Ja, sie war gestern an der Schilddrüse operiert worden
  • ganz raus
  • Nee, das Ergebnis war noch nicht da
  • Ja es tat noch weh im Hals
  • Nee sprechen ging noch nicht so gut
  • Ja, sie hatte noch ganz viel Schleim im Hals
  • sie muss bestimmt Tabletten dafür einnehmen
  • Ja, die Wunde ist geklammert worden

Es wurde zur Nervenzerreiß-Probe-Ich warte auf die OP und Schwiegermutter versteht kein Wort

Blabla. Immer das gleiche. Die Beste war ihre Schwiegermutter, die verstand nix. Die Krönung war, das sie sogar auf Lautsprecher stellte und alles in den Hörer brüllte. Nachdem sie, wie ich dachte alle Familienmitglieder informiert hatte, schrieb sie nochmals alles in die Familien-WhatsApp-Gruppe rein. Prompt kamen noch ein paar Nachfragen. Das Smartphone bimmelte die ganze Zeit. Ob Schwiegermutter auch in der WhatsApp-Gruppe war, ist mir leider nicht bekannt. Dafür rief sie aber im Laufe des Tages noch ein paar Mal an.

Endlich -Die Operation ging los

Nach, für mich, endlosen Stunden des Wartens, ging es los. Die Schwester brachte mir eine Schlaftablette. Die war richtig gut. Selbst das Gebrülle nahm ich nur noch vernebelt wahr. Meine Beine wurden schwerer und wärmer. Die Augen konnte ich immer weniger aufhalten, auch ein schöner Zustand. Irgendwie hörte ich noch, das die Schlaftablette bei ihr nichts gebracht hätte. Ja, der hätte man auch die Pferdedosis verabreichen müssen, habe ich hoffentlich nur gedacht und nicht ausgesprochen.

Im OP

Die Leute im OP waren echt sehr nett. Es wurden ein paar Witze gerissen um die Stimmung aufzulockern. Ich fand alles witzig. Tolle Tablette, hatte ich das schon erwähnt? Die Anästhesistin erklärte mir, dass sie jetzt mit der Narkose beginnt ich nickte und war schon weg. Das nächste an was ich mich erinnern kann, war das irgendjemand mir erzählte, dass die OP vorbei war, und alles gut verlaufen sei. Die Stunde im Aufwachraum ging irgendwie an mir vorbei und schon war ich wieder auf meinem Zimmer. Und meine Bettnachbarin saß immer noch mit Smartphone und Pralinen auf der Bettkante. Als wäre ich nie weggewesen Sie fragte gleich wie es mir ginge und war ehrlich mitfühlend. Ich sagte ihr das ich erstmal meine Ruhe bräuchte. Sie akzeptierte das und telefonierte erstmal munter weiter. Ich informierte meinen Mann, dass ich alles gut überstanden hätte.

Ich wollte nur noch meine Ruhe haben – aber dann kam die schrecklich nette Familie

Dann kamen Kind und Mann meiner Bettnachbarin, alle ungefähr in der gleichen Gewichtsklasse. Und brachten erstmal für Mutti ordentlich was zu Futtern mit. Sie hatte sich unter anderem eine Apfeltasche gewünscht aber der Göttergatte brachte eine Kirschtasche mit. Unglaublich, die rührte sie nicht an. Der Junior futterte die dann weg. Die Schwester kam rein und fragte nach den Blutzuckerwerten meiner Bettnachbarin. Blutzuckerwerte? Die hatte also Diabetes und stixte sich selber. Bei dem Süßigkeiten Verbrauch? Nee, alles in Ordnung, super Werte. Ich schloss wieder die Augen. Halt bloß die Klappe, sagte ich mir. Halt die Klappe! War doch nicht mein Leben was sie da ruinierte. Mann, die war ja echt noch jung. Aber dann später rumheulen, wenn die schlimmen Krankheiten anfangen.

Eigentlich hatte sie gesagt, sie wolle mit ihrem Besuch in den Aufenthaltsraum gehen, damit ich meine Ruhe hätte. Die hockten trotzdem auf dem Zimmer und ich bekam mal wieder zwangsläufig alles mit. Der Mann hatte eingekauft, weil er am nächsten Tag auf Montage musste. Er zählte jede Kleinigkeit auf.

Also die verschiedenen Getränke für die Kinder jeweils (da bekam jedes Kind sein Lieblingsgetränk, aber Apfelsaft und Mineralwasser war nicht dabei). Dann die jeweiligen Süßigkeiten für die Kinder.  Für meine Bettnachbarin war zu Hause bestens gesorgt. Der ganze Vorratsraum war voll. Besonders freute sie sich über die Nachos mit der dazugehörigen Käsesoße die sich im Kühlschrank befand. Ich hatte das Gefühl, der Mann mästete seine Frau regelrecht. Je dicker umso besser. Auch eine Art von Liebe. Kranke Liebe.

Zu Hause ein Leben wie die Made im Speck

Auch musste sie zu Hause keinen Handschlag machen. Die Schwiegermutter, kochte, machte die Wäsche und fuhr die Kinder zu den jeweiligen Terminen (Zahnärzte, Kinderärzte), Therapeuten (Logopädie für den Kleinsten, der konnte kein SCH sagen). Ein Leben wie die Made im Speck, im wahrsten Sinne des Wortes. Die gesamte Zeit spielten Mann und Sohn auch mit ihren Smartphones rum, musste wohl eine Familienkrankheit sein. Die quasselten und schrieben gleichzeitig, und keiner hörte dem anderen zu. Der Mann googelte das Hotel in dem er untergebracht wurde für die Zeit wo er auf Montage war. Aber ihn interessierten nur die Fressläden in der Nähe. Und dem Himmel sei Dank, zwei Fast-Food-Läden waren keine 400 Meter vom Hotel entfernt. Ole, ole!

Abends kämpfte ich mit den Nebenwirkungen der OP

Nachdem Mann und Sohn sich dann endlich verabschiedet hatten, wurde ich von grässlichster Übelkeit heimgesucht. Ich spuckte mich erstmal aus. Meine Bettnachbarin aß weiter die Pralinen und tippte auf ihrem Smartphone rum. Aber sie sagte mir so über die Schulter, dass ich ihr ehrlich leid tat. Nach zwei Infusionen mit einem Mittel gegen Übelkeit und gegen Schmerzen, meldete sich dann meine Blase. Alleine durfte ich noch nicht auf Toilette, die Schwester kam mit. Auf dem Rückweg, von der Toilette, nahm ich noch Sachen zum Anziehen aus meinem Schrank mit. Da ich von der Narkose noch ziemlich durch den Wind war, packte ich mir ziemlich unsinnig noch eine Trainingshose unter den Arm. Die Schwester fragte mich, dann mit hochgezogener Augenbraue:

Was wollen sie denn damit? Eine Runde um den Block laufen?

Ich war total verwirrt. Die Schwester brachte mich wieder zum Bett. Die Trainingshose nahm ich aber trotzdem mit.

Das Ende meiner Schonzeit-meine Bettnachbarin drehte nochmal so richtig auf

Das war dann auch das Ende meiner Schonzeit. Meine Bettnachbarin meinte ich wäre jetzt wieder fit genug um mich mit ihr lebhaft zu unterhalten. Ich glaube ich nickte zwischendurch mehrfach ein. Ihr fiel das nicht auf, sie redete ja die ganze Zeit. In meinen wachen Phasen schrieb ich meinem Mann, er solle mich bitte anrufen, er müsse mich vor dieser Quasselstrippe beschützen. Aber mein Mann hatte mit den beiden Kindern zu Hause genug zu tun und eigentlich waren alle müde. Irgendwann schlief auch sie ein. Ein lautes Geschnarche, Gegurgele, Gehuste und Geschmatze begleitete ihren Schlaf. Na toll, genauso hatte ich mir das vorgestellt. Nur gut, das ich eh so groggy war und auch irgendwann einschlief.

Der nächste Morgen-sie packte die Koffer

Ich quälte mich mit meinen Schmerzen und dem überflüssigen Gas in meinem Körper herum und meine Bettnachbarin packte die Koffer. Dem Himmel sei Dank. Ole, Ole. Ihrer Schwiegermutter hatte sie ins Telefon gebrüllt Pfannkuchen mit Apfel zu machen, wenn Mutti nach Hause kam, hatte sie einen Bärenhunger. Hauptsache der Diabetes machte das mit. Nach dem Frühstück holten Schwiegervater und Tochter die Mutti ab. Ein paar Höflichkeitsfloskeln zum Abschied und weg war sie. Endlich kam Licht ins Zimmer, wo Mutti nicht mehr vor dem Fenster auf der Bettkante hockte.

Endlich Ruhe! Mein Mann kam mit unseren Kleinen, der konnte gar nichts mit Mama im Krankenbett anfangen, aber dafür war er auch noch zu klein. Eine Physiotherapeutin kam und verschaffte mir wieder etwas mehr Luft und half mir wieder richtig durchzuatmen. Dann genoss ich einfach mal die Ruhe, zu Hause hatte ich die ja auch fast nie. Und die ganzen tollen Schmerzmittel, die man bekommt, lassen auch nicht ganz so viel Action zu.

Meine Entlassung-Endlich wieder nach Hause

Nach einer ruhigen Nacht erfolgte die Entlassung aus dem Krankenhaus. Ich freute mich auch richtig auf zu Hause. Ich ging zwar noch ganz krumm, aber ich durfte gehen. Mein Mann holte mich ab. Immerhin hatten wir auch an dem Tag Hochzeitstag. Sogar an einen Blumenstrauß hatte er gedacht. Ganz in Ruhe fuhren wir nach Hause. Ich duschte ausgiebig bevor die Kinder kamen. Ruhte mich auf dem Sofa aus und war endlos froh, wieder zu Hause zu sein.

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