Kinderängste: Angst in der Kindheit

Um sich über Ängste in der Kindheit und deren Bedeutung für die Entwicklung eines Kindes zu unterhalten, ist es wichtig vorab zu definieren wie es zu diesen Ängsten kommt und allen voran was Angst eigentlich ist.

 

Was ist Angst?

Angst ist ein Gefühl, welches eine Schutzfunktion bei Gefahr darstellt. In der Evolutionsgeschichte des Menschen war Angst überlebenswichtig. Sie ist ein Warnsignal, welches uns Menschen entsprechend reagieren lässt, uns zu Vorsicht ermahnt und uns im Ernstfall auf Kampf oder Flucht vorbereiten soll.

 

Ist Angst eine Krankheit oder eine Schwäche welche nicht sein soll?

Definitiv nein, Angst ist wie erwähnt eine natürliche Sache die wir Menschen als Schutz vor Gefahr brauchen. Die natürliche Fähigkeit Angst zu empfinden müssen wir uns erhalten. Allerdings gibt es die Möglichkeit dass die natürliche Funktion der Angst durch diverse Einflüsse gestört wird und es kann zu einer Angststörung kommen. Diese zeigt sich dadurch, dass bei den Betroffenen eine in ihrer Tiefe oder ihrer Häufigkeit gesteigerte Angst gegenüber Tieren, Menschen, Situationen oder Plätzen bzw. eine generelle andauernd vorhandene Angst da ist. Dies schränkt unser Leben ein und ist ungesund. Es kann Angst auch in Form von anfallsartiger Panik über die Betroffenen hereinbrechen. Wenn dies regelmäßig und min. viermal pro Monat auftritt, liegt eine Panikstörung vor.

 

Wie ist es nun mit den Ängsten welche Kinder und Kleinkinder in ihrer Entwicklung zeigen?

Peter Osten (2000) schreibt in seinem Buch „Die Anamnese in der Psychotherapie“, dass Kinder so ab dem 6. LM Furcht zeigen. Dies liegt daran, dass sie in diesem Alter bereits gut zwischen sich und anderen Objekten und Personen unterscheiden können. Sie empfinden dann das Vertraute als angenehm und sicher. Das ihnen Fremde kann Angst auslösen. Ab dem 8. LM zeigen viele Kinder eine Fremden- und / oder Trennungsangst. Dies liegt weniger an den Fremden im Sinne fremder Personen, sondern vielmehr an dem erwähnten Gefühl des Kindes, dass etwas fremd, also weniger vertraut wahrnimmt. Gehen wir davon aus, dass das Fremde nicht immer gut für uns sein muss, kann man hier von einer normalen Reaktion sprechen, denn möglicherweise könnte ja Vorsicht geboten sein und das erlernen die Kinder in dieser Phase.

In der weiteren Entwicklung zeigen Kinder dann eine schier unzählige Vielfalt an Ängsten wie Angst vor Tieren im Allgemeinen, vor Hunden, Spinnen oder Schlangen im Speziellen, vor Hexen, Monster, Gespenster, Leichen, Räumen, Licht, Schatten etc., etc.

 

Sind diese Ängste bedenklich und ist mein Kind gefährdet eine Angststörung zu entwickeln?

Nein, die oben genannten Ängste der Kindheit können aus entwicklungspsychologischer Sicht vorerst als normale Entwicklung eingestuft werden. Wenn wir die Angst als Schutzfunktion im Leben brauchen, dann müssen wir sie auch mal erlernen. Wichtig ist in dieser Phase der Umgang und die Unterstützung des Kindes mit seinen Ängsten durch nahe Bezugspersonen. Wird die Angst verleugnet und als nicht existent dargestellt oder einem ausgeredet: „da ist nichts“, „du brauchst keine Angst haben“, was vor allem bei Monster und ähnlichem leicht der Falls sein kann, dann bleibt dem Kind möglicherweise verwehrt einen positiven Umgang mit seiner Angst und somit eine sogenannte Selbstregulationsfähigkeit sich beruhigen zu können zu erlernen.

Auch eine Besorgtheit seitens der Bezugspersonen weil das Kind Angst hat wird wohl eher zur Verstärkung als zur Beruhigung führen.

Zur Entwicklung einer gesunden psychischen Funktion der Angst ist es wichtig auf das Kind und seine Angst einzugehen, es ernst zu nehmen weil es ja Angst hat und dem Kind altersgerecht zu helfen die Angst zu bewältigen. Dies passiert im Wesentlichen dadurch, dass die Eltern Vertrauen vermitteln und mit dem Kind gemeinsam auf ihre Angst oder das angstbesetzte Objekt zugehen und es bei der Bewältigung unterstützen. Mit der Taschenlampe das Monster unter dem Bett suchen um zu sehen, dass keines da ist, die Kinder zu unterstützen mit dem Gespenst im Schrank zu sprechen und zu fragen was es will ist eine kreative Form sich altersgerecht mit den Ängsten auseinanderzusetzen. Vor allem sieht das Kind, dass ja die Eltern normal und vertrauensvoll mit der Angst und dem Kind in seiner Angst umgehen. Das Kind kann dies übernehmen und sich selbst zu eigen machen. In jedem Fall führt die Hilfe bei der Bewältigung dazu, dass das Kind lernt mit seinen Ängsten umzugehen was in späteren Jahren bereits präventiv für die Entstehung einer Angststörung wirken kann.

 

Peter Niessl, MSc ist Psychotherapeut. Er bietet Integrative Therapie in freier Praxis in Bruck an der Leitha und Fischamend an.

 

 

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