Eisenmangel bei Stillkindern – nur ein Mythos?

Eisenmangel bei Stillkindern

Während in den ersten Lebensmonaten Muttermilch oder Säuglingsnahrungen das Baby mit allem versorgen was es braucht, neigen sich die Reserven nach etwa 6-9 Monaten dem Ende. Es ist dann die Rede vom Eisenmangel bei Stillkindern. Doch muss dann mit Beikost begonnen werden und wie erkennen Eltern den richtigen Zeitpunkt?

 

Eisenmangel bei Stillkindern – nur ein Mythos?

Hartnäckig hält sich der Gedanke, dass Babys am diesem Zeitpunkt fleischhaltige Nahrung benötigen, weil die Ernährung mit Milch alleine nicht ausreicht. Ein Eisenmangel bei Stillkindern ist dafür der Grund, der gerne von vielen Seiten propagiert wird. 2010 gab es zum Eisenmangel bei Stillkindern eine große Studie, die Eltern in Angst und Schrecken versetzte, mit der Empfehlung, schon mit 4 Monaten mit der Beikost zu beginnen. Damit wurde der Empfehlung der WHO, nämlich 6 Monate ausschließlich zu stillen, widersprochen und die Verwirrung war groß: Leiden Stillkinder nun unter einem Eisenmangel?

Besonders das in der Muttermilch enthaltene Eisen kann besonders gut aufgenommen werden und daher stellt der Eisenmangel im ersten Lebensjahr bei vollgestillten Kindern während der ersten 6 Monate kein Problem dar. In den ersten Monaten haben Stillkinder keinen Eisenmangel! Eltern brauchen sich weder über zusätzliche Eisenpräparate, noch über Eisenmangel den Kopf zerbrechen, wenn das Kind voll gestillt wird. Die Natur hat es so vorgesehen, dass genügend Eisen vorhanden ist. Außer bei Mehrlingen oder zu früh geborenen Kinder verhält es sich mit dem Eisenspeicher anders, denn hier reicht er nur bis etwa 2-3 Lebensmonate.

 

Eisenmangel bei Stillkindern und die Beikostreife – gibt es da einen Zusammenhang?

Dass Babys genau zum Zeitpunkt des vermuteten Eisenmangels ein Interesse an fester Nahrung der Eltern zeigen hängt mit ihrem wachsenden Interesse an ihrer Umgebung zusammen und an dem Drang, die Welt zu entdecken und zu erforschen. Dass der Eisenmangel bei Stillkindern dafür verantwortlich sein soll, kann nicht nachgewiesen werden.

 

Es heißt BEIkost, weil die erste „feste“ Nahrung zu den Milchmahlzeiten gereicht wird – also DAZU, nicht anstatt. Sonst würde es ja ANSTATTkost heißen. Gerade die Mischung aus Milch und fester Nahrung macht die Mischung aus und tut deinem Baby gut.

 

Auch Babys mit etwa 4-5 Monaten können Gegenstände schon fokussieren, ihr vermeintliches Interesse am Essen wird gerne als Anlass für den ersten Brei genommen. Dabei geht es hier tatsächlich um die Fähigkeit des Fokussierens, das bei aufmerksamer Beobachtung nicht nur beim Essen der Fall sein wird, sondern auch bei Spielsachen oder anderen Dingen. Nur weil ein Baby dem Löffel gierig nachschaut, hat es weder einen Eisenmangel, noch ist es reif für Beikost.

Wirkliche Beikostreife ist daran erkennbar, dass das Baby den Kopf selbst halten kann, selbst aufrecht ohne Abstützhilfe sitzen kann, der Rücken gerade bleibt und es sich Sachen selbst in den Mund stecken kann. Auch der Zungenreflex ist ein eindeutiges Anzeichen, ob das Baby für Beikost schon bereit ist oder den Brei wieder mit der Zunge hinausbefördert und damit klar signalisiert: Nein, das mag ich noch nicht.

 

Das eigene Tempo respektieren

Jedes Kind hat sein eigenes Tempo und seine eigenen Vorlieben. Genau die sollte man ihm auch lassen und beim Essen keinen Druck ausüben. Ein vermeintlicher Eisenmangel bei Stillkindern konnte nicht nachgewiesen und ist daher keine Indikation für einen früheren Beikostbeginn. Wenn das Baby noch nicht so weit ist, dann ist es besser, es in ein bis zwei Wochen erneut mit ein paar Löffel Brei zu probieren, als es jeden Tag unter Tränen zum Essen zu zwingen. Essen soll Spaß machen und lustbetont sein, da haben Tränen und Druck keinen Platz. Eltern können ruhig darauf vertrauen, dass ihr Kind sich holt, was es braucht und darauf vertrauen, dass es mit 18 Jahren nicht mehr an der Milchflasche oder Brust hängen wird, um den Hunger zu stillen. Geduld und Vertrauen sind nicht nur bei Beikost, sondern auch sonst in der Beziehung zu seinem Kind das A und O.

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